Feinstaubfilter im Kamin nachrüsten: Was gibt es dabei zu beachten?

Veröffentlicht am 02.08.2018 12:58 | 5 Kommentare
Kamin Filter nachrüsten
Feinstaub wird in vielen Bereichen zum Problem. Nicht nur Autofahrer und Landwirte sind betroffen, mittlerweile gelten auch für alle Holzfeuerungsanlagen strenge Vorschriften. Die Bundesimmissionschutzverordnung (BImSchV) enthält Vorschriften und Regelungen für die Reinhaltung der Luft, maßgeblich ist die 1. BImSchV Stufe 1 und 2 als Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen. Neue Kaminöfen enthalten bereits Feinstaubfilter, beziehungsweise erzeugen geringe Emissionen. Wer jedoch einen älteren Ofen betreibt, ist unter Umständen von der Nachrüstpflicht betroffen. Wir erklären, wann Öfen nachgerüstet werden müssen und welche Filter infrage kommen.

Inhalt:
Wer muss nachrüsten?
Wann muss man seinen Ofen nachrüsten, austauschen oder stilllegen, wenn er die festgelegten Grenzwerte nicht einhält? Das hängt vom letzten Prüftermin laut Typenschild ab. Die Stufe 1 der BImSchV besagt: 
Letzter Prüftermin zwischen: Umrüstungs- Stilllegepflicht bis zum:
01.01.1975 & dem 31.12.1984 31.12.2017*
01.01.1985 & dem 31.12.1994 31.12.2020
01.01.1995 & dem 22.03.2010 31.12.2024
* der Filter musste bis zum 31.12.2017 nachträglich nachgerüstet werden, wenn der Ofen die Grenzwerte überschreitet, dann läuft die Übergangsfrist der BImSchV aus. Alternativ muss der Ofen stillgelegt werden.

Die jeweiligen von der BImSchV festgelegten Grenzwerte finden Sie in der folgenden Tabelle:
BImSchV Stufe 1* BImSchV Stufe 2**
Art der Feuerstätte Regelung nach DIN CO (g/m3) Staub (g/m3) CO (g/m3) Staub (g/m3) Mindestwirkungsgrad (%)
Raumheizer mit
Flachfeuerung
DIN EN 13240 2,0 0,075 1,25 0,04 73
Raumheizer mit
Füllfeuerung
(Dauerbrand)
DIN EN 13240 2,5 0,075 1,25 0,04 70
Speichereinzelfeuerstätten DIN EN 15250/A1 2,0 0,075 1,25 0,04 75
Kamineinsätze
(geschlossene
Betriebsweise)
DIN EN 13229 2,0 0,075 1,25 0,04 75
Kachelofeneinsätze mit
Flachfeuerung
DIN EN 13229/A1 2,0 0,075 1,25 0,04 80
Kachelofeneinsätze mit
Füllfeuerung
DIN EN 13229/A1
2,5 0,075 1,25 0,04 80
Pelletöfen ohne
Wassertasche
DIN EN 14785 0,4 0,05 0,25 0,03 85
Pelletöfen mit
Wassertasche
DIN EN 14785 0,4 0,03 0,25 0,02 90
*Stufe 1 gilt für Anlagen die nach dem 22. März 2010 errichtet wurden
**Stufe 2 gilt für Anlagen die nach dem 31. Dezember 2014 errichtet wurden


Der Schornsteinfeger hat die Aufgabe, den Kaminofen zu überprüfen und den Schadstoffausstoß zu messen, damit der Grenzwert nicht überschritten wird. Bei diesen regelmäßigen Terminen, die mindestens einmal jährlich stattfinden, stellt er auch fest, ob der Kaminofen über einen Feinstaubfilter verfügt. Beim Kaminkehrer erhalten Sie übrigens auch Auskunft und Beratung in vielen Fragen rund um Feinstaubfilter, Grenzwerte und Funktion Ihres Kaminofens.

Die BImSchV muss unbedingt beachtet werden, sonst droht die Stilllegung des Ofens und es ist aus mit der wohligen Wärme im Haus. Für einen zeitlich unbegrenzten Weiterbetrieb brauchen Sie einen Nachweis über die Einhaltung der Verordnung. 
Das ist entweder: 
  • eine Bescheinigung des Herstellers
  • oder ein Nachweis über eine Vor-Ort-Messung
  • oder der nachträgliche Einbau eines Feinstaubfilters
Welche Feinstaubfilter gibt es?
Man unterscheidet beim Heizen mit Holz aktive und passive Feinstaubfilter. Sind Sie im Besitz eines Ofens mit schlechten Werten sollten Sie beim Hersteller nach einem passenden Katalysator fragen.
Aktive Feinstaubfilter basieren auf dem Prinzip der elektrostatischen Abscheidung. Der elektrostatische Partikelabscheider wird direkt in das Rauchrohr eingebaut und lädt dort die Staubpartikel, die bei der Verbrennung entstehen, elektrostatisch auf. Dadurch setzen sich die Kleinstteilchen an der Wand des Rauchrohrs fest. Damit der Kaminzug nicht leidet, sollte deshalb eine regelmäßige Reinigung des Ofenrohres erfolgen. Aktive Filter eignen sich für alle kleinen und mittleren Kaminöfen mit einer Heizleistung bis 25 kW. Der Vorteil liegt in der hohen Abscheidung von bis zu 90 %. Allerdings ist unbedingt ein Stromanschluss notwendig und auch die Anschaffungskosten sind relativ hoch.
Passive Filter sind schlicht konzipierte Katalysatoren. Die Rauchgase werden entweder vor dem Abgasstutzen oder im ersten Bereich des Rauchrohrs durch einen Filter aus Keramik oder Edelmetall geleitet. Der katalytische Prozess begünstigt die chemische Reaktion der Abgase, so werden die einzelnen Bestandteile wie Kohlenmonoxid (CO) und unverbrannter Kohlenwasserstoff (HC) umgewandelt in weniger schädliche Stoffe wie Kohlenstoffdioxid (CO2) und unschädliche wie H2O. Die Feinstaubpartikel lagern sich entweder in der Konvektionszone ab oder sie verbrennen direkt an der Katalysator-Oberfläche, die sehr heiß wird. Filternde Abscheider sind kostengünstiger und für den Betrieb ist kein Stromanschluss notwendig. Allerdings muss die Filterkassette alle ein bis zwei Jahre ausgetauscht werden und in der Heizperiode gereinigt und gewartet werden.
Passiver Feinstaubfilter aus Keramik
Was sind die Kosten?
Aktive Feinstaubfilter kosten etwa 1.000 Euro, dazu kommen die Montagekosten. Der Einbau in das Abgasrohr muss von einem Fachmann vorgenommen werden. Passivfilter sind ab 300 Euro erhältlich. Nachrüsten mit Passivfiltern erscheint auf den ersten Blick günstiger, sie müssen aber regelmäßig ausgetauscht werden. Diesen Filtertyp können Sie selbst in den Kaminofen integrieren.
Bevor Sie sich über eine Nachrüstung Gedanken machen, lassen Sie die Werte Ihres Kaminofens durch den Schornsteinfeger prüfen. Viele Hersteller haben schon vor Einführung der BImSchV Stufe 1 und 2 bei ihren Öfen eine hohe Effizienz mit geringer Emission erreicht und liegen deswegen unter den Grenzwerten. Die entsprechenden Werte finden Sie im Datenblatt und auf dem Typenschild Ihres Ofens. 

Das Nachrüsten ist nicht unbedingt und in jedem Fall die beste Variante und auch nicht immer notwendig. Wenn Ihr Kaminofen schon viele Jahre in Betrieb ist, kann ein kompletter Austausch günstiger sein. Gute Kaminöfen bekommen Sie zu günstigen Preisen, die teilweise sogar unter dem Anschaffungspreis eines aktiven Feinstaubfilters liegen. Bei einem neuen Schwedenofen oder Kamineinsatz sind die Vorschriften für die Feinstaubfilterung bereits berücksichtigt. Die aktuellen Normen werden von allen Ofenbauern bei neuen Modellen gewährleistet. Zudem haben Sie damit die Möglichkeit, den neuen Kaminofen passend zu Ihrem Stil und nach Ihren individuellen Wünschen auszuwählen. Andererseits kann der Filtereinbau die richtige Wahl sein, wenn Sie einen wertvollen Kachelofen haben. Hier lohnt sich das Nachrüsten, damit der Grenzwert eingehalten wird und Sie den Kachelofen problemlos weiter nutzen können.
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Kommentare

Da ich ein überzeugter Umweltaktivist bin, sollte es doch für jeden selbstverständlich sein, seinen Beitrag zu leisten, dass wir eine saubere Umwelt haben. Ich bin daher überzeugt, dass nur ein generelles Verbot der Kohle- oder Holzverbrennung Sinn macht. Filter hin oder her, Umweltverschmutzung darf auf keinen Fall bezahlbar gemacht werden. Wie schon Lutz richtig erkannt hatte, wer kontrolliert was verbrannt wird?

Guido, 08.10.2019 11:20

Endlich eine klare und verständliche Erläuterung der Feinstaubproblemtik für Holzöfen und danke für die verständliche Präsentation der möglichen Lösungsansätze. Vergessen werden darf aber nicht, dass neben einem Feinstaubfilter vor allem das verwendete Heizmaterial über den Feinstaubausstoss mitentscheidet. Hochwertiges und gut getrocknetes Holz aus heimischen Wäldern ist dabei ein Muss.

Lutz, 05.10.2019 11:27

Das ist doch nur eine neue Variante der Steuererhöhung genau wie die GEZ

Schotte Hans, 05.09.2019 22:15

Liebe Redaktion, verschwenden Sie doch keine Zeit auf die Beantwortung von solchen Trollen. Der Herr möchte doch nicht konstruktiv an einer Förderung teilnehmen. Er möchte einzig und allein das Internet mit seiner Meinung vollpöbeln.

Antwort Redaktion Ofenseite:

Vielen Dank für den Hinweis!

Hendrik, 05.12.2018 21:57

Da unser ach so fürsorglicher Staat sich diese höchst zweifelhafte Maßnahme zur Rettung der Welt ausgedacht hat, möchte ich als gelegentlicher Betreiber eines winzigen Kaminofens die Kosten dieser schwachsinnigen Nachrüstmaßnahmen staatlich erstattet bekommen. An wen kann ich mich wenden?

Antwort Redaktion Ofenseite:

Hallo Herr Schmidt, bei Scheitholzvergaserkesseln wird der Feinstaubfilter gefördert. Bei Kaminöfen ist uns dazu leider nichts bekannt. Sie können sich allerdings zur Sicherheit an die BAFA wenden oder beim Hersteller des Kaminofens nachfragen.

Schmidt Harry, 21.11.2018 20:47

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