Braunkohle vs. Steinkohle: Was eignet sich besser zum Heizen?

Veröffentlicht am 15.05.2020 08:00 | 0 Kommentare
Ein Stück Steinkohle in einer Hand
Kohle war lange Zeit der Hauptbrennstoff in Deutschland, auch jetzt wird sie immer noch genutzt. Energie steckt sowohl in Braunkohle als auch Steinkohle - aber wo genau liegt der Unterschied und wie schneidet jeder Brennstoff im Vergleich ab? Wir schauen uns beide Energieträger aus der Nähe an und klären, welcher Kohle Sie unter welchen Bedingungen den Vorzug geben sollten.

Unterschiede
Manche Kaminöfen kann man mit Holz beheizen, andere Öfen werden mit Kohle befeuert. Meist liest man die Angaben Braunkohle und/oder Steinkohle - aber was ist da der Unterschied? Zu Beginn hilft eine kurze Definition:
Steinkohle ist eine Hartkohle, während Braunkohle als Weichkohle eingeordnet wird.
Neben dieser rein sprachlichen Sache liegt der größte Unterschied darin, wie die beiden Brennstoffe entstehen. Es dauert einige Millionen Jahre, bis organische Substanz unter hohem Druck von Sedimentschichten verdichtet und luftdicht versiegelt wird - das Resultat ist am Ende Braunkohle. Häufig zu finden ist es in Sumpfgebieten, da dort einerseits eine große Menge von organischem Material und Torf vorliegt; andererseits sorgt jener Sumpf auch für die Trennung des organischen Materials von der Luft. Anschließend folgt die "Inkohlung": Je mehr Druck durch die Sedimente, desto mehr Wasser wird aus organischem Material gepresst und desto "besser" ist am Ende die Kohle.
Der Inkohlungsprozess ist bei der Steinkohle noch deutlich ausgeprägter: Der Sedimentdruck ist dort so hoch, dass noch sehr viel mehr Wasser und Fremdstoffe aus dem Brennstoff gepresst werden. Das Resultat ist Kohle mit einem höheren Anteil Kohlenstoff, die auch einen höheren Brennwert aufweist (und auch, in Form von Anthrazit, besonders rein ist). Da Steinkohle entsprechend in tieferen Schichten liegt, wird sie unter Tage abgebaut. Braunkohle kann auch im Tagebau gefördert werden. Es ist die Art der Gewinnung, die bei Kohle die schlechte Ökobilanz ausmacht, denn Sie ist nicht nennenswert regenerativ und ihr Abbau sowie die Verbrennung verursachen hohe CO2-Werte.
Tageabbau von Braunkohle
Heizwert von Kohle
Braunkohle bietet normalerweise einen Heizwert von 5 bis 6 kWh/kg, während es die dichtere Steinkohle auf 7,5 bis 9 kWh/kg bringt. Damit ist die Energieeffizienz der Steinvariante recht hoch und der Braunkohle deutlich überlegen. Somit ist Steinkohle ein sehr guter Energieträger.

Heizwerte im Vergleich

Brennstoff Heizwert in kWh/kg
Braunkohle 5 - 6
Steinkohle 7,5 - 9
Holzpellet 4,6 - 5,3
Holz gemischt 3,7 - 4,2
Heizöl 10 - 11,3
Erdgas 8 - 11
In der Übersicht wird deutlich, dass Kohle im oberen Bereich der Heizwerte mitspielt. Trotzdem bleiben die für das Klima wichtigen CO2-Werte aber schlecht: Von allen typischen Energieträgern in Privathaushalten führen sowohl Stein- als auch Braunkohle in Brikettform mit 679 Gramm CO2 pro kWh die Liste trotzdem unangefochten an.
Für das Heizen mit Kohle stehen die besonderen Kohleöfen als Lösung bereit. Sie sind darauf ausgelegt, Kohle in unterschiedlichen Formen zu verfeuern. Für Sie kann das ein Vorteil sein, wenn Sie beispielsweise dem häufigen Nachlegen von Holzscheiten in normalen Kaminen nicht viel abgewinnen können.
Achtung: Bedenken Sie, dass Sie normale Kamine nicht mit Kohle heizen sollten, wenn es nicht ausdrücklich vom Hersteller so ausgezeichnet ist! Die hohen Temperaturen beim Verbrennen von Kohlebrennstoffen sind für einfache Kaminöfen nicht geeignet. Langfristig würden Sie Ihrem Kamin schaden.
Eine Alternative zum reinen Kohleofen stellt der Küchenofen, der auch mit Kohle befeuert werden kann dar: Er bringt ein wenig rustikalen Charme in die Küche und kombiniert einen Ofen mit einem Küchenherd. Hier müssen Sie genau hinschauen, für welchen Ofen Sie sich entscheiden: Nicht alle sind für den Betrieb mit Kohlebrennstoff geeignet. Holz hingegen vertragen sie immer. Die Kombination aus Herd und Ofen kann am Ende dann auch sehr energieeffizient sein, da Sie die Wärme für zwei Aufgaben gleichzeitig nutzen.
Wie mit Kohle heizen?
Der Prozess unterscheidet sich nicht wesentlich vom Heizen mit anderen Brennstoffen. Sorgen Sie zunächst für Hitze im Kaminofen, indem Sie einfaches Feuerholz verbrennen. Sobald eine gewisse Temperatur erreicht ist, legen Sie ein Braun- oder Steinkohlebrikett nach. Versuchen Sie nicht, direkt mit dem Brikett zu beginnen: Der Brennstoff ist so dicht, dass Sie ihn kaum entzünden können, wenn Sie nicht mit Feuerholz ein wenig Vorarbeit leisten und eine hohe Temperatur im Ofen bereitstellen. Bedenken Sie auch: Briketts brauchen ein wenig Zeit, bis sie "in Gang kommen", aber sobald es so weit ist, brennen sie über viele Stunden. Machen Sie daher nicht den Fehler und legen Sie zu viele Briketts nach, weil sie denken, dass nichts passiert.
Tipp: Um am nächsten Morgen noch Wärme genießen zu können, wickeln Sie die Kohlebriketts in einige Lagen Zeitungspapier. Dadurch sammelt sich Asche rund um das Brikett, was den Verbrennungsprozess verlangsamt, sodass auch am nächsten Morgen noch Glut im Ofen ist.
Vor- und Nachteile
Die Vor- und Nachteile von Braun- und Steinkohlebrennstoff decken sich weitgehend, was im Vergleich deutlich wird.
  • hoher Heizwert
  • Preiswert in der Anschaffung
  • Lange Brenndauer
  • Schlechte Umweltbilanz: 679 g CO2 pro kWh Energie 
  • Steinkohle kann nur in wenigen Öfen verfeuert werden 
  • Umweltbelastende Brennstoffgewinnung
Der Vergleich zeigt, dass Steinkohlebrennstoff aufgrund der höheren Energiedichte effizienter heizt. Aus 1 kg des Brennstoffs bekommen sie einfach mehr Wärme als bei 1 kg aus Braunkohle. Beide Energieträger sind günstig im Einkauf und brauchen wenig Platz - und lassen sich dank Kastenform auch gut stapeln. Die Brenndauer ist hoch und verfügbar sind beide Brennstoffe praktisch überall. Der größte Nachteil ist die Umweltbilanz, denn einen schädlicheren Brennstoff gibt es nicht.
Fazit
Heizen mit Braun- oder Steinkohle ist dank hoher Energiedichte effizient - und auch sehr preiswert. Für Steinkohlebrennstoff brauchen Sie allerdings einen bestimmten Kohleofen. Dann müssen Sie aber nicht allzu häufig nachlegen, um von der Wärme zu profitieren. Hinsichtlich des Klimas lohnt es sich jedoch, auch über Öfen mit Holz- oder Pelletbetrieb nachdenken.
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