Holzheizung als Zentralheizung: Die verschiedenen Möglichkeiten

Veröffentlicht am 08.05.2020 08:00 | 0 Kommentare
Zentralheizung mit verschiedenen Brennstoffen
Holz als Brennstoff - das klingt nach dem letzten Jahrhundert. Keinesweg! Es steht in erster Linie für eine nachhaltige Art des Heizens. Eine passend konfigurierte und fachgerecht bediente Holzheizung kann durchaus als Zentralheizung fungieren oder zumindest mit dieser verbunden werden. Das Thema Heizen mit Holz eröffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten der Anlagentechnik und Brennstoffe. Denn Holz ist nicht gleich Holz. Wir bieten Ihnen hier einen Überblick über den interessanten Gestaltungsspielraum.

Inhalt:
Keine andere Heizart kann auf eine so lange Tradition verweisen wie das Heizen mit Holz. Und aktuell wird die Holzheizung wieder sehr beliebt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der oftmals regional und somit kostengünstig zur Verfügung steht. Außerdem sind Sie mit einer solchen Heizung unabhängig vom Geschehen auf dem globalen Rohstoffmarkt und der Preispolitik der großen Öl- und Gasversorger.

Nicht zu unterschätzen ist die Ökobilanz, die ausgesprochen gut ausfällt: Im Brennprozess wird nämlich nur die Menge Kohlendioxid freigesetzt, die das Holz zuvor während der Wachstumsphase gebunden hatte. Würde der Baum natürlich verrotten, sähe die Bilanz ähnlich aus. Selbst die beim Heizen zurückbleibende Asche, lässt sich weiter verwenden.
Ortsschild mit Beschriftung Holz und Heizöl/Erdgas durchgestrichen
Der größte Kritikpunkt war bis vor einigen Jahren der hohe Feinstaubgehalt in den Abgasen, allerdings gehört das der Vergangenheit an: Moderne Filtertechnik hat es möglich gemacht, dass Holzheizungen heutzutage uneingeschränkt umweltfreundlich funktionieren. Zudem können manche Heizung sogar vollautomatisiert und nach höchsten Standards betrieben werden.
Vorteile
  • positive Ökobilanz
  • regional verfügbarer Brennstoff 
  • Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen 
  • verschiedene Varianten 
  • wird meistens staatlich gefördert
Nachteile
  • Brennstoff benötigt Lager
  • hoher Wartungsaufwand
  • hohe Anschaffungskosten
  • körperliche Belastung
  • anfallender Schmutz
Arten der Holzheizung
Es gibt verschieden Arten der mit Holz betriebenen Heizungen, was Ihnen die unterschiedlichsten Möglichkeiten eröffnet, den natürlichen Brennstoff Holz in Ihre Heizungsanlage mit einzubeziehen oder sie komplett darauf umzustellen. Beachten Sie jedoch, dass die Feuerstätte wasserführend sein und über einen Speicher verfügen muss. Nur so wird sichergestellt, dass die Heizflächen bedient werden und der Heizkreislauf nicht überhitzt. Folgende Varianten der Holzheizung stehen Ihnen zur Auswahl:
Die Verbrennung von Scheitholz funktioniert nicht nur in einem Kaminofen, sondern auch in einem großen Kessel. Dieser gehört zu den Festbrennstoffkesseln und wird zumeist als Holzvergaser angeboten. Der Holzvergaser wird manuell mit Holz beschickt, erreicht aber durchaus eine hohe Effizienz. Da er nicht mehr, wie bei alten Holzheizungen mit Naturzug arbeitet. Ein Holzvergaserkessel arbeitet mit Sturzbrand. Das heißt, die Brennkammer liegt unterhalb der Füllkammer und der Brand findet dank Saugzuggebläse nach unten statt. Die Anschaffungskosten sind relativ günstig und es ist auch kein spezielles Lager für den Brennstoff nötig, wie es beispielsweise bei Pellet der Fall ist. Die Technologie gilt als zuverlässig und ist optimal als zentrale Heizung für Bestands- und Neubauten geeignet.

Scheitholz und Holzvergaserkessel
Ein Kaminofen mit Wassertasche, ebenfalls als Holzheizung bezeichnet, wird manuell mit Holz bestückt. Sie erreichen damit zwar ein gemütliches Ambiente in Ihrem Wohnraum, allerdings ist ein Holzofen als Zentralheizung nur in den seltensten Fällen zulässig. Um eine zentrale Heizungsanlage darauf aufzubauen, müssen nach BImSchV zusätzliche Voraussetzung erfüllt werden. Denn dann gilt der Kaminofen nicht mehr als Einzelraumfeuerstätte und muss bessere Werte erreichen. Als Raumheizung und Unterstützung für die Zentralheizung sind wasserführende Kaminöfen aber perfekt.

Scheitholz und Holzofen
Neben dem Holzvergaser gibt es auch Heizsysteme, die mit Holz-Hackschnitzel betrieben werden. Sie funktionieren ähnlich wie eine Pelletheizung, werden aber mit Hackschnitzeln beschickt. Außerdem sind diese getrockneten, gehäckselten Holzabfälle günstiger als Holzpellets. Sie müssen nicht erst in Form gepresst werden, weisen aber auch einen kleineren Energiegehalt auf. Mit einer solchen Heizung brauchen Sie viel Raum für die Lagerung des Brennstoffs, weswegen Sie weniger im privaten als viel mehr im landwirtschaftlichen Bereich wo ausreichend Lagerfläche vorhanden ist, eingesetzt wird.

Hackschnitzel Brennstoff
Holzpellets bestehen aus Industrie- oder Waldholzresten, die in eine Stäbchenform gepresst werden. Mit diesem Brennstoff können Sie sowohl einen wasserführenden Pelletofen als auch einen Pelletkessel befeuern. Bei Letzterem benötigen Sie aber ein richtiges Lager und natürlich eine passende Fördertechnik. Damit können Sie den Transport zum Pelletkessel automatisieren. Da die Öfen und Kessel in unterschiedliche Leistungsklassen arbeiten, können Sie die Technologie sowohl in Alt- als auch in Neubauten zur kompletten Versorgung mit Wärme und Warmwasser, alternativ aber auch als Heizungsunterstützung einsetzen. Der Komfort der automatischen Bestückung und die hohen Wirkungsgrade sind von großem Vorteil, während die Anschaffungskosten für die gesamte Anlage im Vergleich recht hoch sind.

Holzpellets und Pelletheizung
Kosten der Holzheizung
Beim Vergleich der Anschaffungskosten sollten Sie sich nicht nur auf die Feuerstätte fokussieren, sondern sämtliche relevanten Komponenten und natürlich die laufenden Betriebskosten beim Heizen mit Holz in die Betrachtung einbeziehen. Darüber hinaus spielt das Thema staatliche Förderung eine wichtige Rolle.
Die konkreten Kosten für eine Holzheizung hängen nicht nur vom jeweiligen Heizsystem ab, sondern auch von dessen Dimensionierung. Dazu kommen einige weitere Komponenten, wie zum Beispiel der Pufferspeicher, die elektronische Temperaturüberwachung oder die Lager- und Fördertechnik. Bei den Heizungen sollten Sie als mit folgenden Preisspannen rechnen:

  • Holzvergaser: 5.000 - 15.000 €
  • Pelletkessel: 10.000 - 25.000 €
  • Hackschnitzelheizung: 10.000 - 25.000 €
Scheitholzvergaser, Pelletkessel, Hackschnitzelheizung und wasserführende Pelletöfen können, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert werden. Hier ist eine Ersparnis von 35 % der förderfähigen Kosten möglich. Wenn Sie eine alte Ölheizung austauschen kann der Satz sogar auf 45 % ansteigen. Was Sie tun müssen, um die Förderung zu erhalten, was gefördert wird und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, erfahren Sie hier.
Zum Vergleich der zu erwartenden Betriebskosten darf nicht nur das Brennmaterial einbezogen werden. Auch Wartungskosten und Stromkosten müssen in die Rechnung mit eingehen. Die Heizkosten an sich sind abhängig vom Material, wer selbst Wald besitzt, fährt mit einem Holzvergaser vergleichsweise günstig. Hackschnitzel sind auch sehr billig aber dennoch effektiv. Pellets sind ein bisschen teurer in der Anschaffung aber kosten immer noch weniger als Öl oder Gas. Bei den Wartungskosten kommt es auf die Komplexität der Anlage und der Feuerstätte an, ein Gerät mit zusätzlicher Elektronik wird mehr kosten als ein einfaches.
Wartungskosten/Schornsteinfeger Heizkosten (20.000kWh) mit Strom jährliche Kosten
Holzvergaser 300/80 590 970
Hackschnitzel 300/80 560 940
Pelletkessel 300/80 820 1200
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