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Holzheizung als Zentralheizung: Die verschiedenen Möglichkeiten

Veröffentlicht am 16.06.2021 16:40 | 0 Kommentare
Zentralheizung mit verschiedenen Brennstoffen
Holz als Brennstoff - das klingt nach dem letzten Jahrhundert. Keineswegs! Es steht in erster Linie für nachhaltiges Heizen. Eine passend konfigurierte und fachgerecht bediente Holzheizung kann durchaus als Zentralheizung fungieren oder zumindest mit dieser verbunden werden. 

Das Thema Heizen mit Holz eröffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten der Anlagentechnik und Brennstoffe. Denn Holz ist nicht gleich Holz. Wir bieten Ihnen hier einen Überblick über den interessanten Gestaltungsspielraum.

Inhalt:
Keine andere Heizart kann auf eine so lange Tradition verweisen wie das Heizen mit Holz. Und aktuell wird die Holzheizung wieder sehr beliebt. 

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der regional und kostengünstig zur Verfügung steht. Mit einer solchen Heizung sind Sie unabhängig vom globalen Rohstoffmarkt und der Preispolitik der großen Öl- und Gasversorger.

Auch die Ökobilanz fällt gut aus. Im Brennprozess wird nur die Menge Kohlendioxid freigesetzt, die das Holz zuvor während der Wachstumsphase gebunden hatte. 

Würde der Baum natürlich verrotten, sähe die Bilanz ähnlich aus. Selbst die beim Heizen zurückbleibende Asche lässt sich weiter verwenden.
Ortsschild mit Beschriftung Holz und Heizöl/Erdgas durchgestrichen
Der größte Kritikpunkt war bis vor Kurzem der hohe Feinstaubgehalt in den Abgasen. Moderne Filtertechnik hat es aber möglich gemacht, dass Holzheizungen heutzutage umweltfreundlich funktionieren. Manche Heizungen können sogar vollautomatisiert und nach höchsten Standards betrieben werden.
Vorteile
  • positive Ökobilanz
  • regional verfügbarer Brennstoff 
  • Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen 
  • verschiedene Varianten 
  • wird meistens staatlich gefördert
Nachteile
  • Brennstoff benötigt Lager
  • Platzbedarf für Gerät(e)
  • hoher Wartungsaufwand
  • hohe Anschaffungskosten
  • körperliche Belastung
  • anfallender Schmutz
Arten der Holzheizung
Es gibt verschiedene mit Holz betriebene Heizungen. Ihnen eröffnet dies die unterschiedlichsten Möglichkeiten, den nachhaltigen Brennstoff in Ihre Heizungsanlage mit einzubeziehen oder sie komplett darauf umzustellen. 

Beachten Sie jedoch, dass diese Art von Feuerstätten mehr Energie produziert, als zur gleichen Zeit im Gebäude verbraucht wird. Deshalb muss auch ein Pufferspeicher installiert werden. Nur so wird sichergestellt, dass der Wärmeerzeuger nicht überhitzt. Folgende Varianten der Holzheizung stehen Ihnen zur Auswahl:
Die Verbrennung von Scheitholz funktioniert nicht nur in einem Kaminofen, sondern auch in einem großen Kessel. Dieser gehört zu den Festbrennstoffkesseln und wird zumeist als Holzvergaser angeboten. 

Der Holzvergaser wird manuell mit Holz beschickt, erreicht aber durchaus eine hohe Effizienz, da er im Gegensatz zu alten Holzheizungen nicht mehr mit Naturzug arbeitet. 

Ein Holzvergaserkessel arbeitet mit Sturzbrand. Das heißt, die Brennkammer liegt unterhalb der Füllkammer und der Brand findet dank Saugzuggebläse nach unten statt. Die Technologie gilt als zuverlässig und ist optimal als zentrale Heizung für Bestands- und Neubauten geeignet.

Scheitholz und Holzvergaserkessel
Ein Kaminofen mit Wassertasche, ebenfalls als Holzheizung bezeichnet, wird manuell mit Holz bestückt. Sie erreichen damit zwar ein gemütliches Ambiente in Ihrem Wohnraum, ein Holzofen als Zentralheizung ist aber nur in den seltensten Fällen zulässig bzw. geeignet. 

Der Wärmebedarf für das komplette Gebäude kann nicht über einen Ofen produziert werden. Um eine zentrale Heizungsanlage darauf aufzubauen, müssen nach BImSchV zusätzliche Voraussetzung erfüllt werden. 

Denn der Kaminofen gilt dann nicht mehr als Einzelraumfeuerstätte und muss bessere Werte erreichen. Als Raumheizung und Unterstützung für die Zentralheizung sind wasserführende Kaminöfen aber perfekt.

Scheitholz und Holzofen
Neben dem Holzvergaser gibt es auch Heizsysteme, die mit Holz-Hackschnitzel betrieben werden. Sie funktionieren ähnlich wie eine Pelletheizung, werden aber mit Hackschnitzeln beschickt. Außerdem sind diese getrockneten, gehäckselten Holzabfälle günstiger als Holzpellets. 

Sie müssen nicht erst in Form gepresst werden, weisen aber auch einen kleineren Energiegehalt auf. Mit einer solchen Heizung brauchen Sie viel Raum für die Lagerung des Brennstoffs, weswegen Sie weniger im privaten als viel mehr im landwirtschaftlichen Bereich eingesetzt.

Hackschnitzel Brennstoff
Holzpellets bestehen aus Industrie- oder Waldholzresten, die in eine Stäbchenform gepresst werden. Mit diesem Brennstoff können Sie sowohl eine wasserführende Pelletöfen als auch Pelletkessel befeuern. 

Bei Letzterem benötigen Sie aber ein richtiges Lager und natürlich die passende Fördertechnik. Damit automatisieren Sie den Transport zum Pelletkessel. Da die Öfen und Kessel in unterschiedliche Leistungsklassen arbeiten, kann die Technologie sowohl in Alt- als auch in Neubauten zur kompletten Versorgung mit Wärme und Warmwasser eingesetzt werden. 

Alternativ dient sie aber auch gut als Heizungsunterstützung. Der Komfort der automatischen Bestückung und die hohen Wirkungsgrade sind von großem Vorteil, während die Anschaffungskosten für die gesamte Anlage im Vergleich recht hoch sind.

Holzpellets und Pelletheizung
Was kostet eine Holzheizung?
Beim Vergleich der Anschaffungskosten sollten Sie sämtliche relevanten Komponenten beim Heizen mit Brennholz in die Betrachtung einbeziehen. Auch die laufenden Kosten dürfen Sie dabei nicht vergessen. Darüber hinaus spielt das Thema staatliche Förderung eine wichtige Rolle.
Die konkreten Kosten für eine Holzheizung hängen nicht nur vom jeweiligen Heizsystem ab, sondern auch von dessen Größe. Dazu kommen weitere Komponenten, wie der Pufferspeicher, die elektronische Temperaturüberwachung oder die Lager- und Fördertechnik. 

Bei den Heizungen sollten Sie also mit folgenden Preisspannen rechnen:

  • Holzvergaser: 5.000 - 15.000 €
  • Pelletkessel: 10.000 - 25.000 €
  • Hackschnitzelheizung: 10.000 - 25.000 €
Scheitholzvergaser, Pelletkessel, Hackschnitzelheizung und wasserführende Pelletöfen können vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert werden. Hier ist eine Ersparnis von 35 % der förderfähigen Kosten möglich. Wenn Sie eine alte Ölheizung austauschen kann der Satz sogar auf 45 % ansteigen. 

Was Sie tun müssen, um die Förderung zu erhalten, was gefördert wird, erfahren Sie hier.
Zum Vergleich der zu erwartenden Betriebskosten darf nicht nur das Brennmaterial einbezogen werden. Auch Wartungskosten und Stromkosten müssen in die Rechnung mit eingehen. 

Die Heizkosten an sich sind abhängig vom Material. Wer selbst Wald besitzt, fährt mit einem Holzvergaser vergleichsweise günstig. Hackschnitzel sind auch sehr billig aber dennoch effektiv. Pellets sind ein bisschen teurer in der Anschaffung aber kosten immer noch weniger als Öl oder Gas

Bei den Wartungskosten kommt es auf die Komplexität der Anlage und der Feuerstätte an, ein Gerät mit zusätzlicher Elektronik kostet mehr, als ein einfaches.
Wartungskosten/Schornsteinfeger Heizkosten (Einfamilienhaus 150 m², ca. 15 kW Wärmebedarf bei 1700 Stunden = 25000 kWh/Jahr) jährliche Kosten
Holzvergaser 400/100 790 1290
Hackschnitzel 600/100 830 1530
Pelletkessel 500/100 1250 1850
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