Kann man einen wasserführenden Kaminofen direkt an die Heizung anschließen?

Veröffentlicht am 22.06.2020 08:00 | 0 Kommentare
Wasserführender Kaminofen im Querschnitt
Es liegt ja eigentlich nahe: Wenn schon einen neuen Kaminofen anschaffen, warum dann nicht einen, der an die Heizungsanlage angeschlossen werden kann? Ein wasserführender Kaminofen erwärmt nicht nur die Raumluft, in seiner Wassertasche erzeugt er auch Warmwasser. Wie dieses im Haus genutzt werden kann und wie der Ofen wasserführend in Ihr Heizungs- und Brauchwassersystem eingebunden werden kann, das erklären wir im Folgenden.

Inhalt:
Anschluss an Heizkörper
Bei der Zentralheizung wird Warmwasser über Rohre zu den Heizkörpern geführt. Ist also beim wasserführenden Kaminofen ein Anschluss an den Heizkörper direkt möglich? Es wäre möglich, ist aber nicht praktikabel. Damit würde nämlich ein geschlossener Kreislauf zwischen Kamin und Heizkörper entstehen. Wenn nun mehr Warmwasser erzeugt wird, als zum Heizen benötigt wird, dann droht der wasserführende Kamin zu überhitzen. Ohne ausreichende Wärmeabnahme über den Heizkörper müsste ständig eine thermische Ablaufsicherung laufen. Man würde also in der Wassertasche quasi Warmwasser für den Abfluss erzeugen. Das ist natürlich hochgradig ineffizient. 
Kann man einen wasserführenden Kaminofen ohne Pufferspeicher anschließen? Eher nicht, weil die thermische Ablaufsicherung sonst ständig anspringen muss, um den Ofen herunterzukühlen. Ohne Speicher müsste man punktgenau mit dem Heizen aufhören, wenn die Heizkörper warm sind und dann kurze Zeit später wieder anheizen, da die Heizkörper schnell wieder kühl werden.
Ofen als alleinige Heizung
Ein Kaminofen oder Kamineinsatz, der wasserführend ausgelegt ist, kann technisch gesehen als Zentralheizung eingesetzt werden. Allerdings kann er auch hier nicht direkt an einen Heizkörper angeschlossen werden. Vielmehr muss das im Kamin erwärmte Wasser durch einen Pufferspeicher, bevor es zum Heizkörper und dann zurück zum Ofen geleitet wird. Der Pufferspeicher enthält ein wesentlich größeres Wasservolumen als ein geschlossener Heizofen-Heizkörper-Kreislauf. Dadurch kann mehr Ofenwärme aufgenommen und abgespeichert werden. Der Kaminofen mit Wassertasche überhitzt nicht, die Ablaufsicherung muss nicht eingreifen und warmes Wasser aus dem Speicher kann auch nach Erlöschen des Feuers im Ofens zum Heizen genutzt werden.
Achtung: Wird ein wasserführender Kaminofen als Alleinheizung genutzt, ist er gesetzlich nicht mehr als Einzelraumfeuerungsanlage einstufbar. Nach 1. BImSchV Stufe 2 muss ein Ofen dann zwingend die entsprechenden Emissionsvorgaben für Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe einhalten. 
Einbindung in Heizung
Viele wasserführende Kaminöfen werden in bestehende oder neue Heizungsanlagen eingebunden. Dafür spricht die Tatsache, dass ein wasserführender Kaminofen mit verschiedenen Heizsystemen kombiniert werden kann. Die Möglichkeiten reichen von Gasthermen über Öl- und Festbrennstoffkesseln bis hin zur Solarthermie und Wärmepumpe. Auf diese Art kann man die Gebäudeheizung nebst Brauchwassererwärmung auch komplett auf nicht-fossile Brennstoffe umstellen.
Einbindungsschema eines wasserführenden Kaminofens in eine Heizanlage
Technisch kann die Anbindung eines wasserführenden Ofens mit geringer wasserseitiger Heizleistung mit einem Bypass in den Heizungsrücklauf erfolgen. Meist wird allerdings ein Pufferspeicher eingerichtet, der dann den Rücklauf der Zentralheizung bedient. Diese Variante ist auch deshalb zu empfehlen, weil erfahrungsgemäß Öfen ohne Speicher vom Schornsteinfeger überhaupt nicht abgenommen werden. Durch das Anschließen an den Rücklauf erhöht sich die Temperatur des zurückströmenden Wassers in den Kessel, sodass die Primärheizung weniger heizen muss. Ein Pufferspeicher hilft dabei, die Temperatur im Heizkreislauf durch intelligente Steuerung der Wärmezugabe zu optimieren. Er "puffert" also ab, wenn zu viel Wärme in das System kommt. Und auf der anderen Seite stellt er der Heizung gespeicherte Wärme zur Verfügung, wenn es der Bedarf erfordert. Daher ist es wichtig, die Größe des Speichers auf das Gesamtsystem abzustimmen. Ist er zu groß bemessen, besteht die Gefahr, das die eingespeiste Ofenwärme nicht ausreicht, um die Wassertemperatur hoch genug zu halten. Im Falle eines zu kleinen Pufferspeichers kann die zur Verfügung stehende Wärmeenergie unter Umständen nicht komplett aufgenommen werden.
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