Anleitung: Kaminofen mit Wassertasche anschließen

Veröffentlicht am 10.08.2020 08:00 | 0 Kommentare
Handwerker vor wasserführenden Kaminofen
Sie möchten einen wasserführenden Kaminofen anschaffen, der die Zentralheizung unterstützt? Dann müssen Sie sich auch über den Anschluss Gedanken machen. Wollen Sie jemanden damit beauftragen oder möchten Sie ihn selbst anschließen? Wollen Sie selbst tätig werden, finden Sie hier die Auflistung der benötigten Komponenten, sowie eine Anleitung und wichtige Hinweise. 

Inhalt:
Bevor Sie sich einen wasserführenden Kamin anschaffen, sollten Sie darauf achten, dass die Leistung des Ofens direkt auf Ihre Bedürfnisse angepasst ist. Dies betrifft zum einen seine Leistung an Wärme, die er an den Raum angibt und die je nach Dämmung des Hauses ca. 1 kW pro 10 m² zu beheizender Fläche nicht übersteigen sollte. Zum anderen sollte auch die wasserseitige Leistung des Kaminofens bedarfsgerecht gewählt werden, beziehungsweise sollte ein Pufferspeicher zur Verfügung stehen, der die Wärmeenergie problemlos aufnehmen kann. Ist schon einer vorhanden sollte geprüft werden, ob der Kaminofen dort mit angeschlossen werden kann. Möglich ist aber auch einen zweiten Speicher aufzustellen oder den vorhandenen gegebenenfalls gegen einen neuen mit höherem Speichervolumen und ausreichenden Anschlüssen auszutauschen.
Wasserspeicher neben Pelletkessel
Achtung: Betreiben Sie den wasserführenden Kaminofen nicht, wenn er noch nicht an den Wasserkreislauf angeschlossen ist. Durch die fehlende Durchlaufspülung mit Heizungswasser können der Ofen und Wassertasche beträchtlich Schaden nehmen.
Bestimmt wissen Sie schon, wo der Ofen einmal stehen soll. Achten Sie darauf, dass dort alle notwendigen Abstände zu brennbaren Materialien eingehalten werden und der sachgerechte Anschluss an einen passenden Schornstein besteht. Sinnvoll ist es, sich vorher mit dem Bezirksschornsteinfeger zusammenzusetzen und alles zu besprechen, da dieser das Projekt vor Inbetriebnahme auch abnehmen muss.
Skizze der Abstände die ein Kaminofen einhalten sollte
 Ein wasserführender Kaminofen sollte nicht ohne Speicher an Heizkörper angeschlossen werden, lesen Sie hier mehr dazu. 
Was wird benötigt?
Vor dem Anschluss eines wasserführenden Kaminofens ist es wichtig, dass Sie alle Komponenten parat haben.

1. Wasserführender Kaminofen mit Ofenrohren und Funkenschutzplatte
2. TAS: Die Thermische Ablaufsicherung ist dafür zuständig eine zu hohe Vorlauftemperatur zu senken und so der Überhitzung der Wassertasche vorzubeugen, indem sie kaltes Wasser beimischt. Sie dient der Sicherheit falls der Heizkreislauf, zum Beispiel bei Störungen, nicht funktioniert. Sie wird direkt vor den Wärmetauscher des wasserführenden Kaminofens in die Kaltwasserzulaufleitung integriert. Je nach Ofen, ist sie Teil der Austattung oder muss als wichtiges Bauteil hinzugekauft werden. 

3. KSG: Die Kesselsicherheitsgruppe besteht aus Manometer, Sicherheitsventil und Schnellentlüfter und überwacht damit den Druck der Anlage und begrenzt den Druck, den das MAG nicht mehr ausgleichen kann. Deshalb löst das Sicherheitsventil bei 3 bar aus und lässt den Überdruck ab. Die Sicherheitsgruppe wird entweder in der Vorlaufleitung zwischen Wärmeerzeuger und Pufferspeicher oder direkt an einen freien Stutzen des Pufferspeichers montiert werden. Meist wird es aber über ein T-Stück an der Vorlaufleitung vom Wärmeerzeuger eingebaut.

4. RLA: Die Thermische Rücklaufanhebung ist ein Mischventil, welches einen Teil des vom Kaminofen erwärmten Wassers aufnimmt, es mit dem kalten Wasser des Rücklaufes mischt und damit die Wassertasche speist, sodass der Kaminofen schneller auf Betriebstemperatur kommt. Nebenbei ist diese Anhebung der Rücklauftemperatur ein wirkungsvoller Schutz vor Korrosion durch Kondensatbildung. Die RLA wird in den Rücklauf zum Wärmeerzeuger eingebaut und über eine Bypassleitung mit dem Vorlauf verbunden. Bei einem großen Abstand zwischen Ofen und Speicher, sollte die Rücklaufanhebung näher am Pufferspeicher installiert werden.

5.STDC: Die Temperaturdifferenzsteuerung (TDS/TDC/TDR) überwacht die Temperaturen des Heizkreislaufes und steuert die Pumpe der Rücklaufanhebung. Die Steuerung sorgt für den perfekten Temperaturunterschied in Wassertasche und Speicher und die dementsprechende Schaltung der RLA. Die STDC wird in den Installationsraum gebaut. 

6. Temperaturfühler: Damit die Temperaturdifferenzsteuerung funktioniert, werden Temperaturfühler in die Wassertasche der Feuerstätte und im Speicher platziert.

7. MAG: Das Membranausdehnungsgefäß ist ein Druckausgleichsbehälter der die Volumenschwankung durch die wechselnde Temperatur des Wassers ausgleicht und so Störungen oder Beschädigungen der Anlage verhindert. Es wird an der kältesten Stelle der Heizanlage, meist an einer Rücklaufleitung zum Pufferspeicher platziert.

8. Speicher: Der Speicher ist die zentrale Wärmespeicherung. Alle Wärmeerzeuger arbeiten auf den Pufferspeicher und versorgen diesen mit Energie. Das vom Kaminofen erwärmte Wasser wird in einen Puffer-, Hygiene oder Trinkwasserspeicher geleitet. Dort wird die Wärme gespeichert, bis sie von einem Abnehmer (Heizkörper oder Brauchwasser) benötigt wird. Der Speicher wird in der Regel zwischen den Vorlauf des Ofens und den Rücklauf der Zentralheizung geschaltet. 

9. Schnellentlüfter: Das kleine Ventil sorgt dafür, dass die sich im System ansammelnde Luft vollautomatisch entweicht und der Betrieb des Heizkreislaufes nicht gestört wird. Es können mehrere Schnellentlüfter zum Einsatz kommen, sie werden an den höchsten Stellen der Heizanlage verbaut, zum Beispiel oben auf dem Speicher und am Kaminofen.

10. 3-Wege Mischventil: Das 3-Wege-Mischventil wird benötigt, wenn zu einer vorhanden Öl- oder Gasheizung ein wassergeführter Ofen hinzukommt. Die Heizungsanlage wird so belassen wie sie ist und der Öl- oder Gaskessel wird mit Wasser aus dem Pufferspeicher durchströmt, der wiederum vom Ofen gespeist wird. Das Mischventil hat dabei die Aufgabe die voreingestellte Temperatur zum Öl- oder Gaskessel einzuregeln, z.B. auf 50 °C. Der Kessel heizt dann erst nach, wenn die ankommende Temperatur aus dem Speicher nicht ausreicht, weil dieser kalt ist.

11. Rohre/T-Stücke Um alle Komponenten miteinander zu verbinden, benötigen Sie ausreichend Rohre, Fittings, T-Stücke und Kugelhähne. 

12. Rückschlagventil/Systemtrenner: Das Rückschlagventil oder der Systemtrenner sorgen dafür, dass über den Kaltwasseranschluss kein Heizungswasser in die Trinkwasserleitung gedrückt wird. Somit sind Heizwasserkreislauf und Trinkwasser voneinander getrennt, selbst wenn der Heizkreislauf Wasser aus dem Trinkwasseranschluss bezieht. Diese Bauteile werden in den Kaltwasserzulauf zur Wassertasche integriert.
Anschluss-Schema
Wenn Sie sich fragen, wie man einen wasserführenden Kaminofen anschließt, kann ein Anschlussschema eine erste Hilfestellung sein. Die Nummern stehen für die im vorherigen Abschnitt vorgestellten Komponenten.
Anschlusschema für einen wasserführenden Kaminofen
Anschluss Anleitung
Bevor Sie mit dem Anschluss des wasserführenden Kaminofens beginnen, sollten Sie alle Fragen mit dem Schornsteinfeger geklärt haben. Stehen noch ungeklärte Probleme im Raum und sind Sie sich bei der technischen Umsetzung unsicher, vertrauen Sie das Projekt lieber einem Fachmann an.
1. Aufstellort bestimmen und vorbereiten

Wenn Sie den richtigen Aufstellort für Ihren Kaminofen unter Beachtung der Abstände zu brennbaren Bauteilen und einem erreichbaren Zugang zum Schornstein gefunden haben, können Sie diesen vorbereiten. Zum einen gilt es zu klären, ob eine Funkenschutzplatte benötigt wird. Hat der Ofen Anschlüsse am Boden, gibt es auch hierfür Funkenschutzplatten mit Ausschnitt. Ist eine Funkenschutzplatte nötig, sollte diese mit einer Dichtlippe versehen werden. Dann sollten Sie die Bohrungen für den Rauchrohranschluss am Schornstein vorbereiten, sowie den eventuellen Außenluftanschluss. Sollen die die wasserseitigen Anschlüsse durch den Boden geführt werden, sollten Sie auch hier dementsprechende Löcher herstellen.
IIllustration: Aufstellort des Kaminofens  bestimmen
2. Verbindungen vorbereiten:

Versichern Sie sich, dass der Verlauf der Ofenrohre vom Kaminofen zum Schornstein fachgerecht und nach gesetzlichen Vorgaben möglich ist. Bereiten Sie, falls nötig, den Außenluftanschluss des Kaminofens vor. Prüfen Sie, dass alle wasserseitigen Leitungen vorhanden sind und an die richtigen Anschlüsse des Kaminofens heranreichen werden. Das betrifft den Vorlauf, den Rücklauf, die Kaltwasserleitung, die Abwasserleitung und die Fühlerleitung für den Temperaturfühler in der Wassertasche. Achten Sie bei den Leitungen auf die vom Ofenhersteller vorgegebenen Rohrstärken.
Skizze der benötigten Anschlüsse
3. Ofen anschließen
Den Kaminofen aufstellen und mit den entsprechenden Ofenrohren am Wandfutter oder der Wanddurchführung am Schornstein anschließen. Sollte ein Außenluftanschluss geplant sein, auch diesen mit dem vorbereiteten Lüftungsrohr verbinden. Je nach Kaminofenmodell können die wasserseitigen Anschlüsse an der Unterseite des Gerätes und/oder an der Rückseite liegen, wenn beide Anschlussmöglichkeiten vorhanden sind schließen Sie die nicht genutzten ordnungsgemäß mit einem Blindstopfen.




Skizze eines Kaminofens und seiner Anschlüsse an Schornstein und Außenluftanschluss
4. Wassertasche anschließen

1. Entnehmen Sie der Bedienungsanleitung des Ofens, welcher Anschluss an der Wassertasche für welchen Zweck vorgesehen ist. Schließen Sie den Sicherheitswärmetauscher der Wassertasche mittels der Thermischen Ablaufsicherung an der Kaltwasserleitung an. Den Ausgang des Sicherheitswärmetauschers verbinden Sie mit der Abwasserleitung. Achten Sie auf die Herstellerangabe ob der Sicherheitswärmetauscher trocken oder nass angeschlossen werden soll (technische Zeichnung). Weiter ist zu beachten, dass die Abflußleitung frei in einen Syphon geleitet werden muss. Die Kaltwasserzuleitung darf nicht absperrbar sein, bzw. ist gegen Absperren zu sichern. Wichtig hierbei ist, in die Kaltwasserzuleitung ein Rückschlagventil und Systemtrenner einzubauen (DVGW).
Anschlüsse an einem wasserführenden Kaminofen
2. Verbinden Sie die Wassertasche über den Vor- und Rücklauf mit dem Pufferspeicher. Achten Sie hierbei auf ausreichende Dimensionierung der Leitungsrohre. Am Pufferspeicher, zwischen Vor- und Rücklauf wird ein Bypass installiert, in welchem unten im Rücklauf die Rücklaufanhebung (Laddomat) installiert wird. Die Rücklaufanhebung wird zum Pufferspeicher im Heizungsraum installiert.
Skizze Kaminofen und Pufferspeicher und die verbindenden Leitungen
5. Kreislauf prüfen und befüllen

Vor dem Befüllen mit Wasser wird die Anlage abgedrückt, um die Dichtigkeit zu gewährleisten. In der Regel wird ein Kompressor angebaut, welcher die Anlage mit ca. 3 bar Druckluft füllt. Über ein Manometer (Sicherheitsgruppe oder zusätzliches Manometer) kann geprüft werden, ob der Druck konstant bleibt. Wenn alle Leitungen dicht sind, kann die Anlage mit entsprechend aufbereiteten Heizungswasser nach Herstellervorgaben gefüllt werden. Der Betriebsdruck sollte dabei zwischen 1 und 2 bar liegen.
Skizze von Manometern mit den entsprechenden Druckangaben
Achtung: Das ausströmende Wasser von der Wassertasche, das in den Syphon geleitet wird, ist heiß bis die Wassertasche ausgekühlt ist - Verbrühungsgefahr bei Betrieb des Ofens.
Kostenpunkt
Was kostet der Anschluss eines wasserführenden Kaminofens? Wenn Sie einen Fachmann für den Anschluss engagieren wollen, sollten Sie Preise vergleichen und überlegen, ob der Heizungsbauer die Komponenten mitbringen soll oder Sie alles im Vorlauf bereitstellen wollen. Geht es nur um die Kosten des Anschlusses, können die Preise zwischen 500 und 1500 € variieren, je nachdem ob noch Rohre verlegt werden müssen oder andere Arbeiten anfallen.
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