Unser Ratgeber für Sie

Schornsteinsanierung: Anleitung zum Selbermachen

Veröffentlicht am 07.10.2020 08:00 | 0 Kommentare
Arbeiter steht auf Dach und bringt Schornsteinmündung an
Sie möchten einen Kaminofen kaufen oder denken über die Umrüstung Ihrer Heizungsanlage nach? Möglicherweise ist es dann auch erforderlich, dass Sie den Schornstein sanieren. Mit handwerklichem Geschick und dem passenden Material können Sie diese Arbeit durchaus selbst durchführen. Nachfolgend erfahren Sie, wie Sie die Schornsteinsanierung vornehmen können und was dabei zu beachten ist.

Inhalt:
Warum sanieren?
Der Schornstein leitet die Abgase nach außen, damit Ihr Kaminofen reibungslos funktionieren kann. Während der Heizperiode ist Ihr Schornstein großen Belastungen ausgesetzt, daher kann es mit der Zeit zu Verschleißerscheinungen kommen. Der folgende Überblick zeigt Ihnen, welche Gründe für eine Schornsteinsanierung vorliegen können.

Schäden am Schornsteinkopf:

Der Schornsteinkopf ist der über das Dach hinausragende Teil des Schornsteins. Er ist dauerhaft der Witterung ausgesetzt, daher können Niederschläge und Frost mit der Zeit ihre Spuren am Schornstein hinterlassen und zu bröckelnden Fugen, Spannungsrissen oder porösen Mauersteinen führen. Hier ist meist keine komplette Sanierung notwendig, oftmals reicht eine neue Schornsteinverkleidung.
Versottung:
Feuchtigkeit setzt sich im Schornstein ab und verbindet sich mit Teer und Schwefelsäure zu einem aggressiven Gemisch. Häufig ist auch ein fehlender Kondensatablauf für das, im Schornstein entstehende, Wasser eine Ursache, oder eine nicht vorhanden Abdeckung, sodass Niederschlag den Schornstein zusätzlich nässt. Es bilden sich hässliche Flecken, die man auch im Wohnraum sieht und im schlimmsten Fall kann es sogar das Mauerwerk zersetzen.
Versotteter Schornstein
Glanzruß und Rußbrand:
Wenn Sie den Kamin überlasten, ungeeignete Brennstoffe verbrennen oder der Schornstein nicht in regelmäßigen Abständen sachgemäß gereinigt wird, können hartnäckige Rußanhaftungen entstehen. Diese Ablagerungen sind leicht entzündlich, tritt dieser Fall ein, spricht man von Schornsteinbrand, der Schornstein ist danach nicht mehr nutzbar und muss saniert werden.
Glanzruß in einem Ofenrohr
Umrüstung:

Ein weiterer Grund für die Sanierung ist die Anschaffung einer neuen Heizung, wie die Umrüstung auf eine Festbrennstoffheizung oder der gewünschte Anschluss eines Kaminofens an einen alten Schornstein, dessen Querschnitt nicht zum Ofen passt. Gerade bei gemauerten Schornsteinen ohne Innenrohr ist der Anschluss eines Ofens nicht ohne weiteres möglich.
Sanierungsmöglichkeiten
Abhängig vom Grund für die Schornsteinsanierung sind unterschiedliche Lösungsansätze möglich. Wenn die Bausubstanz stark angegriffen ist, kann es erforderlich sein, dass Sie den Schornstein vollständig neu mauern lassen müssen. Anstelle eines neuen gemauerten Schornsteins können Sie aber auch einen Leichtbauschornstein montieren. Ist die Hülle des Schornsteins noch intakt, reicht es meist, einfach ein neues Rohr im Schornstein zu verlegen. Diese Variante ist geeignet, wenn lediglich die Beschaffenheit des Abgasrohres im Vordergrund steht. Je nach Heizungsart kommen im Schornstein Rohre aus unterschiedlichen Materialien zum Einsatz:

Keramik:

Dieses Material ist resistent gegen Feuchtigkeit und Säure, zudem hält es gleichermaßen niedrigen und hohen Temperaturen stand. Keramikrohre sind für jede Kamin- (Heizkessel, Kaminofen, Brennwertgerät) und Brennstoffart (Holz, Pellets, Gas, Öl) geeignet.

Edelstahl:

Die leichten und dünnwandigen Edelstahlrohre ermöglichen eine vergleichsweise flexible und einfache Montage. Ein Edelstahlschornstein eignet sich für alle Kamin- und Brennstoffarten. Ein doppelwandig ausgeführtes Rohrsystem lässt sich als Schornstein auch an der Außenwand montieren.
Kunststoff:

Kunststoffrohre eignen sich für Öl- oder Gasbrennwertgeräte. Sie lassen sich schnell im Schornstein installieren, nutzen sich im Vergleich zu den anderen Varianten jedoch relativ schnell ab. Zudem sind Sie in diesem Fall auf einen Kamin mit niedrigen Abgastemperaturen festgelegt.
Was beachten?
Lassen Sie eine auf die Feuerstätte bezogene Querschnittsberechnung des benötigten Schornsteins erstellen. Da diesbezüglich viele Faktoren zu berücksichtigen sind. Ehe Sie mit der Sanierung beginnen, ist zunächst ein Gespräch mit dem Bezirksschornsteinfeger erforderlich. Weiterhin müssen Sie mindestens zehn Tage vor Arbeitsbeginn das Formblatt für technische Angaben über Feuerungsanlagen (TAF) beim zuständigen Schornsteinfeger einreichen. Damit Sie den Kamin mit Schornstein in Betrieb nehmen dürfen, muss der Schornsteinfeger einen Feuerstättenbescheid erteilen.
Kaminsanierung Anleitung
Die einfachste und kostengünstigste Möglichkeit, den Schornstein zu sanieren, ist das Einziehen eines einwandigen Edelstahlrohrs. Die benötigten Bauteile können Sie einzeln oder passend als praktisches Komplett-Set kaufen. Je nach Set-Variante kann die Zusammenstellung etwas variieren, meist sind jedoch folgende Schornstein-Bauteile enthalten:
  • Reinigungselement und Putztür
  • Kondensatschale mit Ablauf
  • Wandfutter
  • T-Stück/Anschlusselement
  • Längenelemente (25, 50 und 100 cm)
  • Abschlusselement
In der Regel lässt sich das Rohr im Schornstein innerhalb eines Arbeitstages montieren. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung kann Ihnen dabei helfen. Beachten Sie aber auch die Anweisung des Herstellers und informieren Sie sich, wie die einzelnen Bauteile des Edelstahlschornsteins miteinander verbunden werden
  1. Öffnen Sie den gemauerten Schacht am besten an der Stelle, an der später auch der Anschluss für den Kamin entstehen soll. Dabei reicht ein Loch in einer Größe, in der Sie gut im Schacht die unteren Teile des Edelstahlschornsteins zusammensetzen können.

  2. Ermitteln Sie die spätere Anschlusshöhe des Kamins und gleichen Sie gegebenenfalls mit einem Längenelement aus, falls das Reinigungselemtent, Kondensatschale und das T-Stück die benötigte Höhe nicht erreichen. 

  3. Montieren Sie Schornsteinsohle, also Kondensatschale, Reinigung und T-Stück durch das aufgebrochene Mauerwerk in den Schacht. Sinnvoll ist es, eine Montageschelle am T-Stück zu befestigen, damit die Schornsteinsohle mittig sitzt.

  4. Befestigen Sie ein Ablassseil mittels Ablassschlaufe am Längenelement. Jeremias und Schiedel haben Längenelemente mit vormontierten Ablassschlaufen im Angebot.

  5. Lassen Sie das Längenelement vom Dach aus in den Schacht herab, aber nur soweit, dass Sie das nächste Längenelement von oben aufstecken und nach Systemanleitung sichern können.

  6. Stecken Sie nach und nach die weiteren Längenelemente wie in Schritt 5 beschrieben auf und achten Sie darauf alle 3 m einen Abstandshalter einzusetzen, dessen Laschen auf den Innendurchmesser des Schachts nach oben gebogen werden. 

  7. Den Abschluss bildet die Schornsteinmündung, die Sie nach Bedarf mit einer Abdeckung in Form einer Regenhaube, eines Dohlengitters oder einen Zugverstärkers versehen können.

  8. Mauern Sie den Schacht um die Reinigungsöffnung, den Anschluss und den evtl. Kondensatablauf wieder zu. Achten Sie darauf, dass die Putztür, die an das Reinigungselement gesetzt wird, die richtige Tiefe hat und nicht aus dem Mauerwerk herausragt. 

Schornstein wird geöffnet
Ermittlung der Anschlusshöhe
Schornsteinsohle wird in Schornstein eingesetzt
Ablassseil an Längenelement
Längenelemente werden montiert
Längenelement mit Abstandshalter
Schornsteinmündung mit Regenhaube
Die Öffnung im Schornstein wird wieder geschlossen
Sanierungskosten
Wenn Sie den Kamin schnell in Betrieb nehmen möchten und die Arbeit durch ein Unternehmen durchführen lassen, müssen Sie im Vergleich zur Sanierung in Eigenregie meist mit deutlich höheren Kosten rechnen. Für den Einbau eines 10 m langen Edelstahlrohres (einwandig) durch den Fachmann können Kosten zwischen ca. 900 und 1.500 Euro entstehen. Ein Selbstbau lässt sich meist problemlos durchführen und ist deutlich günstiger. Ein Bausatz für 10 m einwandiges Schornsteinsystem ist bereits ab 466,92 Euro erhältlich.
Kommentar eingeben