Schornsteinmontage: Welche Gesetze sind zu beachten?

Veröffentlicht am 12.11.2019 08:00 | 0 Kommentare
Paragraf am Schornsteinen
Sie möchten in oder an Ihrem Haus einen Schornstein installieren? Na dann los! So einfach geht es natürlich nicht. Bevor Sie dieses Projekt angehen, sollten Sie über die Gesetzeslage informiert sein, denn für jede Eventualität gibt es auch eine entsprechende Verordnung und Anforderung. Wir verraten Ihnen, worauf es ankommt, wenn Sie Abgase aus Kamin, Feuerstätte & Co. ableiten möchten.

Inhalt:
Überblick Vorschriften
Die Anforderungen an einen Schornstein sind vielfältig. Für praktisch jeden Aspekt gibt es entsprechende Schornstein-Vorschriften, an die Sie sich halten sollten. Häufig überschneiden sich viele dieser Anforderungen auch. In jedem Fall wichtig sind:
 
  • die Feuerungsverordnungen der einzelnen Bundesländer
  • die Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV)
  • die jeweiligen Landesbauordnungen
  • die Vorgaben des Deutschen Instituts für Normung, besser bekannt unter seinem Kürzel DIN

Diese Verordnungen schreiben verschiedene Regelungen vor: Aus welchem Material darf mein Schornstein bestehen? Welche Minimalhöhe muss er erreichen und wie weit darf er maximal über dem Hausdach abstehen? Wie sieht es mit Anschluss im Haus aus? Was ist mit dem Mindestabstand zum Dach oder zum Nachbar? Höhere Temperaturen muss er aushalten - aber wie hoch genau? Im Folgenden möchten wir auf diese Fragen eingehen.

Heißer Tipp: Der Schornsteinfeger sollte die in Ihrem Gebiet gültigen Verordnungen kennen und Sie dementsprechend beraten.
Wie hoch die Abgasanlage sein muss, ist exakt definiert und hängt zum großen Teil von der Beschaffenheit des Daches sowie von den Fenstern des eigenen Hauses und der Nachbarn die sich im Umkreis von 15 m der Schornsteinmündung befinden ab. Zudem regelt die BImSchV die Höhe des Schornsteins anhand der Neigung des Daches. Der Dachfirst muss um 40 cm überragt werden. Bei einer Neigung von weniger als 20° muss die Mündung mind. 1 Meter über die Dachfläche hinausragen. Bei mehr als 20° sind es schon 2,30 Meter.

Eine Regelung für die Maximalhöhe existiert ebenfalls, diese liegt abhängig von den örtlichen Gegebenheiten zwischen 2 Metern und 3,30 Meter
Zollstock neben Schornstein
Durchmesser und Führung
Hinsichtlich des Schornsteinzugs existiert unter anderem die Euronorm EN 13384, welche dazu dient, diverse Eigenschaften des Schornsteins zu berechnen (etwa der Querschnitt) und so die geplante Funktionalität zu bestätigen. Generell wichtig dabei ist immer eine senkrechte Ausführung von Abgasrohren zur Schornsteinanlage bis zur Mündung. Das ist auch logisch nachvollziehbar: Feste Brennstoffe (und auch gasförmige Brennstoffe) erzeugen Abgas, das auf schnellstem Weg abgeführt werden soll. Jegliche Führung, die nicht senkrecht ist, würde diesen Vorgang verzögern. Ergo gilt: Es muss, soweit baulich möglich, immer senkrecht gebaut werden.

Weiterhin regelt die EN 13384 diverse Bedingungen in Bezug auf Temperatur und Druck. Beispielsweise darf die Schornsteinmündung niemals verschließen, was unter anderem im Winter bei Minusgraden durch Eisbildung der Fall sein kann. Außerdem gibt es einen bestimmten Zugbedarf, der dazu dient, Abgas zuverlässig nach außen leiten zu können. Dazu muss das System einen Unterdruck aufbauen können, was durch die richtige Berechnung von Querschnitt, Schornsteinhöhe und Leistung des Ofens erreicht werden kann.
Gefertigt werden Schornsteine fast immer in zwei Varianten: entweder gemauert oder als Edelstahlschornstein. Handelt es sich um ein älteres Gebäude, wird es sich oftmals um die gemauerte Variante handeln. Gerade für den nachträglichen Einbau bzw. eine Schornsteinsanierung empfiehlt sich jedoch der Edelstahlschornstein, da diese Anlage geringere Kosten verursacht.

Edelstahlschornstein vor Dächern einer Stadt
Wichtig für den Betrieb beider Varianten ist die Feuerwiderstandsklasse und, bei einem Edelstahlschornstein, die Korrosionswiderstandsklasse:

  • Die Feuerwiderstandsklasse ist nach DIN18160-60 in die Varianten L30 und L90 eingeteilt. Wofür die beiden Kürzel stehen, ist einfach zu merken: L30 bedeutet, dass der Schornstein im Brandfall 30 Minuten durchhält, bevor das Material zusammenstürzt. L90 widersteht dem Feuer immerhin zumindest 90 Minuten. Im Interesse des Brandschutzes ist die höhere Klasse offensichtlich vorzuziehen.
  • Die Korrosionswiderstandsklasse ist in die Klassen 1, 2 und 3 aufgeteilt. Sie spielt nur bei Edelstahl eine Rolle. Klasse 1 verträgt gasförmige Brennstoffe. Klasse 2 ist dafür ebenfalls geeignet, aber kann zusätzliche auch flüssige Brennstoffe vertragen. Feste Brennstoffe - also etwa Holz - verlangen nach Klasse 3. Wenn Sie maximale Sicherheit und Flexibilität suchen, ist Klasse 3 also am besten geeignet.
  • Die Art der Feuerstätte (gasförmige, flüssige oder feste Brennstoffe) gibt also den Ausschlag dafür, welches Material und welche Widerstandsklassen Sie benötigen. Ein Schornsteinfeger wird Sie zu dem Thema sicherlich gerne genauer aufklären.
Wie beim Kaminofen oder beim Ofenrohr gibt es auch beim Schornstein Vorschriften zum Abstand zu angrenzenden Bauteilen. Der Schornstein selbst muss immer einen ausreichenden Querschnitt bieten (was genau "ausreichend" bedeutet, hängt von der Feuerstätte ab) und darf nicht durch uneinsehbare Hohlräume geführt sein. Außerdem gelten diverse Richtlinien für den Mindestabstand zu brennbaren Bauteilen, also Holzbalken, Verkleidungen im Gebäude und so weiter. Zu diesen Materialien muss, bei einem gemauerten Modell, immer ein Abstand von zumindest 5 Zentimetern vorliegen. Bei einer Variante aus Edelstahl müssen es sogar 10 Zentimeter sein. Weiterhin muss gewährleistet sein, dass das Verbindungsstück zwischen Kaminofen und Schornstein, also eine Wanddurchführung, so kurz wie möglich und natürlich brandsicher ist. Sind hier brennbare Bauteile in der Nähe angesiedelt, muss ein Abstand von mindestens 40 Zentimetern vorliegen. 
Wanddurchführung für Verbindungstück Ofenrohr
Gelegentlich müssen Schornsteine nun mal gereinigt werden - und auch dafür gibt es eine entsprechende Verordnung. So muss eine Reinigungsöffnung vorhanden sein, die sich an der Sohle jeder Anlage befinden muss. Diese Öffnung muss 20 cm unter dem zu unterst angeordneten Feuerstättenanschluss liegen. Ist die Reinigung der Abgasanlage nicht über eine Mündung möglich, muss sogar eine zweite Reinigungsöffnung installiert werden - ein beliebter Ort dafür ist das Dach oder der Dachraum. Bei schräg geführten Teilen des Schornsteins kommt für die Anlage vielleicht sogar eine dritte Öffnung dazu, dies muss jedoch der Schornsteinfeger vor Ort auf individueller Basis entscheiden.
Höhe der Schronstein-Reinigungsöffnung
Abnahme Schornsteinfeger
Bevor Sie sich durch die Gesetzestexte quälen und Ihre Abgasanlage am Ende komplett allein installieren, sollten Sie einen Schornsteinfeger um Rat bitten. Der kennt nämlich alle Schornsteinvorschriften im Detail und wird Ihnen dabei helfen, die Anlage korrekt in Betrieb zu nehmen. Denn: Nicht nur der Kaminofen verlangt nach einer Abnahme durch den Kaminkehrer, sondern auch jegliche daran angeschlossene Anlage auf dem Gebäudedach. Bevor Sie also einen Fehler machen und anschließend alles teuer umbauen lassen müssen, sollten Sie gleich jemanden Fragen, der über jede Anforderung informiert ist und Ihnen Umbaumaßnahmen erspart.
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