Mehrfachbelegung beim Schornstein: Voraussetzung, Möglichkeiten und Tipps

Veröffentlicht am 27.11.2019 08:00 | 0 Kommentare
Das Thema Mehrfachbelegung des Schornsteins kommt bei Diskussionen rund um Ofen und Heizung häufig zur Sprache. Denn soll ein Neubau mit mehreren Wärmquellen entstehen oder eine neue Feuerstätte in einem Altbau installiert werden, wird ein passendes Abgassystem benötigt. Oft stellt sich die Frage, ob ein einziger Schornstein ausreichend ist oder ob der neue Ofen auch in den schon vorhandenen integriert werden kann. Hier erfahren Sie, bei welchen Ofenarten und Heizungsanlagen eine Mehrfachbelegung des Schornsteins möglich ist und was Sie dabei beachten müssen.

Inhalt:
Mit dem Begriff Mehrfachbelegung bezeichnet man den Betrieb zweier oder mehr Feuerstätten am selben Schornstein. Das heißt, dass die Rauchgase mehrerer Wärmeerzeuger über eine einzige Abgasanlage, also ein einzelnes Rohr, abgeführt werden. 

Alle Heizungsanlagen und Kaminöfen, die mit festen, flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen Wärme erzeugen werden Feuerstätte genannt.
Betriebsvoraussetzungen
Die Voraussetzungen, die zwei Kaminöfen an einem Schornstein ermöglichen, sind durch Vorschriften und Normen zur Mehrfachbelegung bei Abgassystemen geregelt. Diese sind notwendigerweise komplex und für Nicht-Fachleute oft schwer zu durchschauen. Einfacher wird es, wenn man eine konkrete Ausgangssituation betrachtet, die in der Praxis häufig vorkommt.

Nehmen wir an, Sie möchten sich einen neuen Kaminofen für das Obergeschoss zulegen und diesen an einen Schornstein anschließen, der schon von einem vorhandenen Kaminofen im Erdgeschoss genutzt wird. Die Nutzung des gleichen Schornsteins ist dann grundsätzlich möglich, wenn die Kamine über eine selbstschließende Tür (Bauart 1) verfügen und die Verbrennungsluft auf gleiche Art bezogen wird. Voraussetzung ist allerdings, dass der Querschnitt des Schornsteins ausreichend für den Betrieb zweier Öfen ist und die Kaminanschlüsse nicht mehr als 6,5 m und nicht weniger als 50 cm voneinander entfernt sein dürfen.
Es lässt sich pauschal kaum sagen, welche Kamine nicht für eine Mehrfachbelegung geeignet sind, da oftmals der Einzelfall entscheidet, ob die Heizungs- und Abgasanlage sicher betrieben werden kann und alle Vorschriften eingehalten werden können. Problematisch ist jedoch die Mehrfachbelegung mit Pelletöfen die ein Gebläse zur Verbrennungsunterstützung verbaut haben sowie mit offenen Feuerstellen. Die Kombinationen mit einem Kamin der Bauart 2 und einem mit selbstschließender Feuerraumtür an einem Schornstein ist problematisch und daher meist unzulässig, da nicht sichergestellt werden kann, dass entstehende Abgase immer ins Freie abgeführt werden. Es sind dann Situationen denkbar, in denen Abgase in den Aufstellungsraum des zweiten Ofens gelangen oder aus einer nicht betriebenen Feuerstätte entweichen. Auch raumluftunabhängige Öfen, welche die zur Verbrennung benötigte Luft von außen mittels Zuleitung bekommen, lassen sich selten mit raumluftabhängigen Feuerstätten an einem Schornsteinzug kombinieren. Holen Sie sich in jedem Fall den Rat Ihres zuständigen Schornsteinfegers, er sollte die Vorschriften, Möglichkeiten und Ausnahmen kennen.
Eine Mehrfachbelegung des Schornsteins mit Heizungsanlage und Ofen ist zwar grundsätzlich nicht verboten, in der Regel wird jedoch von einer derartigen Kombination abgeraten. Zum einen, weil zentrale Heizanlagen im Haus meist über eine Abgasleitung verfügen, die weder im Querschnitt noch in Ihrer Hitzebeständigkeit für Festbrennstoffe ausgelegt ist. Zum anderen besitzen Öl- oder Gaszentralheizungen meist einen Brenner mit Gebläse. Generell raten Fachleute davon ab, Brennstoffe wie Holz und Gas zu "mischen", wenn es um eine Abgasanlage geht.
Oft wird die Frage gestellt, ob man mehr als zwei Kaminöfen an einen Schornstein schließen kann. Dies ist berechtigt, denn Sie können nicht beliebig viele Öfen an einem Schornstein betreiben. In der Regel können maximal 3 Feuerstätten angeschlossen werden. Allerdings nur unter der Bedingung, dass sich Schornstein und alle Feuerstätten in ein und derselben Nutzungseinheit und demselben Brandabschnitt befinden. Das bedeutet, dass die beteiligten Öfen nicht in verschiedenen Gebäuden oder Wohneinheiten aufgestellt sein dürfen, sich also im selben Haus befinden müssen. So können Sie sich in einem Reihenhaus keinen Schornstein mit Ihren Nachbarn teilen. Und auch hier gilt: der Schornsteinfeger muss das komplette System abnehmen.
Wenn sich die Nutzung des vorhandenen Schornsteins für mehrere Feuerstätten nicht realisieren lässt, muss nach Alternativen gesucht werden. Eine Variante wäre ein mehrzügiger Schornstein, in welchem die entsprechenden Heizstätten jeweils einen eigenen Zug bekommen. Eine weitere Alternative ist der Anschluss eines zusätzlichen, neuen Außenschornsteins. Besonders die Ausführungen in Edelstahl erfreuen sich dabei bei Kaminofen-Freunden zunehmender Beliebtheit. Diese Außenlösungen werden zum Teil als Komplettset angeboten und sind oft sogar zur Selbstmontage geeignet. Auch diese Variante sollten Sie vor der Realisierung mit Ihrem Schornsteinfeger besprechen - schließlich muss das gesamte Projekt von ihm abgenommen werden. Interessant an dieser Lösung ist auch, dass bei doppelwandigen Edelstahlschornsteinen, die an der Außenwand des Hauses angebracht werden, grundsätzlich auch Mehrfachbelegungen möglich sind, dabei gelten die oben genannten Einschränkungen natürlich auch.
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