Darf man einen Kaminofen ohne Abnahme betreiben?

Kaminofen nicht ohne Abnahme betreiben

Die meisten Autofahrer nehmen es als gegeben hin, dass ihr Kfz durch den "TÜV" beziehungsweise zur Hauptuntersuchung muss. Schließlich geht es sowohl um die eigene Sicherheit als auch um die der anderen Verkehrsteilnehmer. Ohne Plakette geht nichts. Dass man keinen Kaminofen ohne Abnahme betreiben darf, ist dagegen nicht jedem klar. Wenn Sie die Anschaffung eines Kamins planen, sollten Sie an die nötige Abnahme denken. Im Folgenden erfahren Sie, warum Sie keinen Kamin ohne Abnahme betreiben dürfen, welche Gefahren ohne Prüfung bestehen und welche Strafen Ihnen bei Nichtbeachtung drohen. Wir erklären auch, wie der Prüfkatalog für Ihren Kaminofen aussieht und was passiert, wenn keine Freigabe erteilt wird.

Muss ein Kamin abgenommen werden?

Einfache und klare Antwort: ja. In Deutschland besteht eine gesetzliche Pflicht, alle Feuerstätten abnehmen zu lassen. Geregelt ist dies in den Landesbauordnungen der einzelnen Bundesländer. Die legen fest, dass neue oder baulich veränderte Feuerstätten erst in Betrieb genommen werden dürfen, wenn sie von einem Bezirksschornsteinfeger begutachtet wurden und dieser schriftlich bescheinigt, dass sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Kaminöfen gelten nach diesen Regelungen als Feuerstätten. Einen Kamin ohne Abnahme betreiben, ist also verboten. Hintergrund dieser Bestimmungen ist die Gefahrenabwehr. Sie sollen sicherstellen, dass von der betriebenen Feuerstätte keine Brandgefahr ausgeht und dass Abgase sicher abgeleitet werden. Außerdem soll von der nach draußen abgeleiteten Abluft keine Gefahr oder Belästigung anderer ausgehen. Welche Folgen eine nicht vorschriftsmäßige Einrichtung der Zu- und Abluft haben kann, wird am Beispiel der leider immer wieder auftretenden Vergiftungen durch Kohlenmonoxid aus Holzöfen deutlich. Die Medien berichten dann von nichtsahnenden Opfern mit schweren Vergiftungen bis hin zu Todesfällen. Sie sollten auch bedenken, dass Sie, wenn Sie einen Kaminofen ohne Abnahme betreiben, Ihren Versicherungsschutz aufs Spiel setzen und Sie auf den entstandenen Schäden sitzen bleiben können.



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Bei Abnahme des Kaminofens: Was wird geprüft?

Die offizielle Gebrauchsabnahme verhindert, dass Sie einen Kaminofen ohne Abnahme betreiben. Der dafür zuständige Bezirksschornsteinfegermeister - Name und Adresse erhalten Sie über den Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks - nimmt die Anmeldung ihres neuen Kaminofens entgegen und prüft diesen nach Einbau und Anschluss auf eine Reihe von Kriterien hin. So wird ermittelt, ob der Ofen über eine ausreichende Luftversorgung verfügt. Diese kann über die Raumluft im zu heizenden Zimmer oder über eine separate Zuleitung von Außenluft geschehen.




Wichtig auch die Überprüfung des Brandschutzes: Sind die nötigen Abstände zu nicht feuerfesten Materialien und Oberflächen eingehalten? Ist die Feuerstätte dicht? Die Dichtigkeit des Schornsteins ist ein weiterer Prüfpunkt. Außerdem muss ausgeschlossen werden, dass der Betrieb des Ofens eine Durchfeuchtung am oder im Schornstein hervorrufen kann. Feuchtes Kondensat von Rauchgasen kann zu sogenannter Versottung führen, die Mörtel und Ziegel angreift. Schließlich wird noch der Zug des Kamins geprüft und kontrolliert, ob die Abgase der Verbrennung komplett und gefahrlos nach außen geführt werden. Als Beleg, dass Sie keinen Kaminofen ohne Abnahme betreiben, erhalten Sie vom Schornsteinfeger einen schriftlichen Bescheid. Außerdem wird er Ihnen die Überprüfung auf Basis der Kehr-und Überprüfungsordnung in Rechnung stellen. Rechnen Sie hier je nach Aufwand etwa mit 40 bis 160 Euro.

Welche Strafen drohen, wenn Sie einen Kamin ohne Abnahme betreiben?

Kamin niemals ohne Abnahme betreibenGemäß den Bauordnungen der Länder müssen neu eingerichtete oder veränderte Feuerstätten angemeldet werden. Ein Verstoß kann als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro gegen den Betreiber des Ofens geahndet werden. Illegal betriebene Öfen müssen von Schornsteinfegern gemeldet werden. Der Bezirksschornsteinfegermeister kann eine solche Feuerstätte stilllegen oder Anmeldung und Nachbesserungen verlangen. Erfahrungsgemäß sind viele Behörden in solchen Fällen nicht an erster Stelle am Eintreiben von Bußgeldern interessiert. Statt auf Abschreckung setzt man vielerorts auf Einsicht. Oberstes Ziel ist es schließlich, dass alle Kaminöfen überprüft werden und keine Immobilienbesitzer ihren Kaminofen ohne Abnahme betreiben. Denn die Konsequenzen, die das unerlaubte Handeln für den Ofenbesitzer haben kann, gehen weit über die Zahlung eines Bußgeldes hinaus. Mangelnder Brandschutz bei einem nicht kontrollierten Kaminofen kann zum Beispiel zu einem Kaminbrand führen. Der gefährdet Leib und Leben der Hausbewohner und kann potentiell das gesamte Haus in Brand setzen. Experten warnen, dass der so entstehende Schaden meist nicht von Versicherungen abgedeckt wird. Das heißt, wenn Sie keine Bescheinigung Ihres Schornsteinfegers vorlegen können, müssen Sie damit rechnen, bei Schäden selbst zur Kasse gebeten zu werden. Der finanzielle Schaden übersteigt dann ein mögliches Bußgeld bei Weitem. Und kommt Sie auch teurer als die kostenpflichtige Anmeldung und regelmäßige Überprüfung eines legal betriebenen Kaminofens zu stehen. Daher warnen Versicherungsexperten: Keinen Kaminofen ohne Abnahme betreiben!

Was können Sie tun, wenn Ihr Ofen nicht abgenommen wird?

Ganz klar: Wird der neu angeschlossene Kaminofen nicht freigegeben, dann darf er nicht betrieben werden. Den Kamin ohne Abnahme betreiben, hieße, eine Ordnungswidrigkeit begehen. Daher sollten Sie schon bei der Planung einer neuen Ofenanlage auf die gesetzlichen Anforderungen achten. Lassen Sie sich bei der Planung von Experten beraten, fragen Sie den Fachverkäufer oder Ihren Handwerker. Und natürlich können Sie ihren Kaminkehrer ansprechen. Die Fehler, die Sie schon bei der Planung vermeiden, müssen Sie dann nicht nach einer verweigerten Abnahme beheben. Apropos Behebung von Fehlern und Mängeln: In der Regel erhalten Sie einen Mängelbericht, wenn der Bezirksschornsteinfeger Feuerstätten nicht freigeben kann. Vor einer endgültigen Verweigerung der Abnahme haben Sie also meist die Zeit und Möglichkeit nachzubessern.

Im Falle von relativ einfach zu behebenden Mängeln, wie nicht eingehaltenen Sicherheitsabständen und Fehlern bei der Montage oder beim Anschluss der Ofenrohre, ist die angestrebte Abnahme mit etwas Aufwand meist doch noch zu erreichen. Schwieriger wird es, wenn sich der Schornstein oder der Kaminzug als ungeeignet erweisen oder der angeschlossene Kaminofen als nicht geeignet für die Räumlichkeiten erklärt wird. Hier wird mit kleinen Nachbesserungen nicht viel zu erreichen sein. Aber: Ein Gespräch mit Ihrem Kaminkehrer bereits in der Planungsphase hilft, Abnahmeprobleme wegen des Schornsteins frühzeitig auszuschließen. Und durch eine kompetente Beratung beim Ofenexperten stellen Sie sicher, dass der neue Kaminofen auch zu Ihrer Raumsituation passt. Durch rechtzeitige Information und Beratung vermeiden Sie Ärger und Streit um eine verweigerte Abnahme. Außerdem kommen Sie dann gar nicht erst in die teure Versuchung, Ihren Kamin ohne Abnahme betreiben zu wollen.

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Veröffentlicht am 06.11.2018 14:46 | 1 Kommentar

Kommentare

Guten Abend Wir wohnen seit 12 monaten zur Miete. Vor 10 Tagen, erfuhren wir vom schornsteinfwget, der Kamin ist wegen erheblichen mängeln nicht freigegeben. Eine Abnahme, wurde nie zuvor gemacht. Wir haben im Winter, wegen Nichtwissens der Mängel, auf zuraten des Vermieter, sehr viel geheizt. Ist das ein Grund, zur fristlosen Kündigung des mietvergältnisses?? Vg Andrea winkler

Anwort Redaktion ofenseite.com:

Guten Tag Frau Winkler,

leider können wir Ihnen bei diesem Anliegen nicht weiterhelfen. Wir raten Ihnen aber, sich noch einmal mit dem Schornsteinfeger und dem Mieterschutzbund in Verbindung zu setzen und dort um Rat zu fragen. Wir wünschen Ihnen alles Gute!

Andrea Winkler, 22.08.2019 21:58

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