Luftzufuhr am Kaminofen: Funktion und Regelung

Veröffentlicht am 19.02.2020 08:00 | 0 Kommentare
Front eines Kamins mit Reglern für die Zuluft
Neben gutem, trockenem Brennholz braucht ein Kaminofen vor allem eines: Luft! Das Geheimnis hierbei ist die richtige Dosierung zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Durch eine gezielte Luftzuführung kann die Verbrennung im Ofen optimal ablaufen. Das Ergebnis ist eine hohe Wärmeausbeute bei geringen Verbrennungsresten und wenig Schadstoffen. Wir sagen Ihnen, wie bei Holzöfen die Luftzufuhr technisch realisiert ist und wie Sie in den Brennzyklus regulierend eingreifen können. Auch die Frage, woher die Verbrennungsluft zum Heizen kommen soll, werden wir Ihnen beantworten.

Feuer benötigt Sauerstoff
Gemütliche Wärme und ein attraktives Flammenspiel, das wünschen sich Besitzer eines Kaminofens. Beides funktioniert nur mit ausreichender Luftzufuhr, denn ohne Sauerstoff entsteht kein Feuer im Ofen. Und da beim Abbrand Sauerstoff verbraucht wird, muss kontinuierlich Frischluft in den Brennraum nachgeführt werden. Dadurch, dass die warmen Abgase durch den Schornstein nach außen abgeführt werden, entsteht im Ofen ein Unterdruck, der wiederum neue Verbrennungsluft in den Kaminofen saugt. Es entsteht Zug. An modernen Holzöfen kann dieser Luftstrom manuell reguliert und gelenkt werden, Sauerstoff kommt dann dahin, wo er gebraucht wird.
Einstellung der Luftzufuhren
Der Fortschritt in der Feuertechnik zeigt sich bei Kaminöfen nicht zuletzt daran, dass sie heute über mehrere Luftzufuhren verfügen. Standard sind mittlerweile Primärluft, eine sekundäre Zufuhr und manchmal auch eine tertiäre Zuluft.
1. Die primäre Luftzufuhr erfolgt meist von vorn und von unten. Kalte Frischluft wird dabei unter das auf einem Rost liegende Brennholz geführt. Wichtig ist die Primärluft beim Anzünden, denn durch viel Sauerstoff entwickeln sich schnell kräftige Flammen. Nach der Anzündphase wird sie herabgeregelt und die Sekundärluft übernimmt die Arbeit.

2. Die sekundäre Luftzufuhr wird als vorgewärmte Luft in den oberen Bereich der Brennkammer geleitet. Sie sorgt nicht nur für gleichmäßig hohe Temperatur und einen effizienten Abbrand, sondern wird an der Sichtscheibe entlang geführt und hält als Scheibenspülung den Blick auf das Feuer sauber. Der Regler für die Sekundärluft befindet sich meist oberhalb der Sichtscheibe oder seitlich am Ofen. Während im Kamin Holz brennt, sollte der Regler für die Sekundärluft nie ganz geschlossen werden.

3. Die tertiäre Luftzufuhr sorgt bei ausgewählten modernen Öfen für eine sauberere Verbrennung. Die erwärmte Tertiärluft strömt von hinten in den Brennraum. Durch die erneute Sauerstoffzufuhr werden auch Feinstaubpartikel verbrannt und Emissionen verringert. Die Tertiärluftzufuhr ist in der Regel vom Hersteller bereits passend für den Ofen eingestellt und nicht manuell regelbar.
Querschnitt eines Ofens mit den drei Zuluftströmen
Die Frischluft, die der Ofen für den Verbrennungsvorgang braucht, kommt entweder direkt aus dem Aufstellungsraum oder über eine externe Luftzufuhr, wie zum Beispiel über eine Zuleitung aus einem anderen Zimmer im Haus oder von außerhalb des Hauses. Ein raumluftabhängiger Kaminofen verbraucht den Sauerstoff, der vor Ort in der Raumluft enthalten ist. Da diese aber auch Atemluft der Bewohner ist, muss für eine ausreichende Frischluftzufuhr beim Heizen gesorgt sein. Dies kann zum Beispiel durch das Öffnen eines Fensters geschehen. Betreibt man aber auch eine Dunstabzugshaube im gleichen Raum ist besondere Vorsicht geboten, ein Ofen der raumluftunabhängig betrieben werden kann ist hier eine gute Lösung.
Kaminofen mit externem Luftanschluss
Ein raumluftunabhängiger Ofen ist von seiner Bauart so ausgelegt, dass seine Brennkammer "dicht" gegen die Raumluft ist und der nötige Sauerstoff dem Kamin von außerhalb des Aufstellraumes zugeführt werden muss. Das kann über eine externe Luftzufuhr aus einem gut gelüfteten Raum im Keller erfolgen, mittels eines Durchbruchs an der Außenmauer des Hauses oder über den Anschluss an einen LAS-Schornstein realisiert werden. 
Wie wirken sich nun Luftzufuhren und ihre Regelung beim Kaminofen in der Praxis aus? Eine richtige Bedienung ermöglicht zum Beispiel einen reibungslosen Ablauf des Anzündvorgangs. Dazu werden die Regler für Primärluft und Sekundärluft ganz geöffnet und das trockene Brennholz mit Anzündern in Brand gesetzt. Bei maximaler Luftzufuhr kann sich das Brennmaterial schnell komplett entzünden und eine hohe Temperatur im Kaminofen erreicht werden. Wenn nach 15-20 Minuten die sogenannte Brennphase des Holzes bei 600 Grad erreicht ist, wird die Zufuhr von Primärluft stark gedrosselt. Mit dem Sekundärluftregler wird dann die Flammengröße eingestellt. Für eine gute Verbrennung sollte sie nicht zu klein gewählt werden. Wenn das Feuer im Kamin in Gang ist, kann die Primärluftzufuhr komplett gedrosselt werden. Die Zufuhr von Sekundärluft sollte allerdings nicht unter die 30 % Marke gesenkt werden.
Regelung beim Nachlegen
Brennholz sollte erst nachgelegt werden, wenn innerhalb des Brennraums keine Flammen mehr zu sehen sind. Das neue Holz entzündet sich allein über die vorhandene Glut im Ofen. Vor dem Nachlegen muss die Primärluftzufuhr im Kaminofen ganz geöffnet werden. Dadurch wird Frischluft von unten durch den Ofenrost geführt. Sie sorgt dafür, dass sich das nachgelegte Holz rasch komplett entzündet und sich eine schöne Flamme ausbildet. Sobald das Holz ruhig und gleichmäßig brennt, kann die Primärluft herabgeregelt werden. Der weitere Abbrand wird dann über die Sekundärluft gesteuert.
Anleitungen

Kamin anzünden - so wird's gemacht!

Anleitungen

Ruß adé! So können Sie Ihre Kaminscheibe wieder freibrennen!

Technik

Kaminofen mit Automatik - Geld sparen dank intelligenter Verbrennung!

Wissen

Ofen qualmt wie verrückt? Daran kann es liegen!

Kommentar eingeben

Max. 500 Zeichen
* Pflichtangaben