Wie oft darf ich meinen Kamin anmachen?

Wie oft darf man mit dem Kaminofen heizen?

Alles, was sich um das Thema Feuerstätten und Heizen dreht, ist hierzulande sehr genau geregelt. Die relevantesten Paragraphen für den privaten Bereich sind in der Verordnung über kleinere und mittlere Feuerungsanlagen (BlmSchV) festgeschrieben. Hier erfahren Sie, was die sogenannte Kleinfeuerverordnung bezüglich der erlaubten Nutzungshäufigkeit von offenen und geschlossenen Kaminen aussagt.

Besondere Vorschriften bei dem Betrieb eines offenen Kamins

Ein offener Kamin ist der Inbegriff wohliger Wärme und Behaglichkeit. Der eine oder andere Nachbar kann sich jedoch schnell durch den Geruch und den Rauch belästigt fühlen. Grundsätzlich dürfen offene Kamine deshalb laut, § 4 Abs. 4.1 BImSchV, nur gelegentlich genutzt werden. Doch was bedeutet "gelegentlich"? Gemäß eines Beschlusses vom Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz vom 12. April 1991 (Aktenzeichen: 7 B 10342/91 OVG) sei es nicht zu beanstanden, wenn ein offener Kaminofen pro Monat an nicht mehr als acht Tagen und für maximal fünf Stunden befeuert wird. Je nach Bebauungsdichte können aber auch strengere oder großzügigere Nutzungsbeschränkungen rechtens sein. Fragen Sie hierzu am besten Ihren Schornsteinfeger.

Aus Sicherheitsgründen muss der Bereich vor dem offenen Ofen aus feuerfestem Material bestehen. Fliesen bieten sich hierfür ebenso an wie eine Auflage aus Naturstein, Metall oder Glas. Das Betreiben eines offenen Kamins ist generell nur unter Aufsicht gestattet.

Verbrennen dürfen Sie ausschließlich naturbelassenes stückiges Holz oder Presslinge in Form von Holzbriketts. Anders als beispielsweise Braun- und Steinkohle enthalten diese Brennstoffe keine nennenswerten Anteile an Schwefel und sind deshalb unbedenklicher bezüglich des sauren Regens und der Bodenversauerung. Bei der Auswahl empfiehlt es sich, auf harzarme Varianten wie Buche, Birke, Eiche oder Obstgehölze zurückzugreifen. Sehr harzreiche Nadelholzarten eignen sich für offene Kamine weniger, da sie mehr Ruß und gefährlich spritzende Glut erzeugen können.

Besondere Vorschriften bei offenen Kaminen

Offenen Kamin umrüsten mit Kamineinsatz

Möchten Sie Ihren offenen Kaminofen öfter nutzen, können Sie Ihn mit einem Kamineinsatz relativ schnell in ein geschlossenes System umwandeln. Dieser besteht aus einer Brennkammer mit Sichtfenster. Eine spezielle Luftführung in seinem Inneren sorgt für die automatische Anpassung des Luftstroms. Je nach Modell verfügen die Glastüren über einen separaten Luftstrom, der das Verrußen effektiv mindert. Darüber hinaus besitzen Einsätze für offene Kamine eine praktische Aschekassette, die eine unkomplizierte Reinigung ermöglicht und den Pflegeaufwand verringert.

Viele moderne Kamineinsätze verfügen über großzügige Sichtscheiben, sodass der freie Blick auf das Feuer erhalten bleibt. Einzig auf das knisternde Geräusch des verbrennenden Holzes müssen Sie verzichten. Demgegenüber stehen aber eine geringere Brandgefahr und der Vorteil eines deutlich höheren Wirkungsgrades. Während dieser beim offenen Kamin nur rund 20 Prozent beträgt, liegt er beim Kamineinsatz bei mehr als 70 Prozent. Bei täglicher Nutzung amortisieren sich die Anschaffungskosten durch die niedrigeren Brennstoffkosten häufig bereits innerhalb eines Jahres.



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Bei häufigem Betrieb Lüften nicht vergessen!

Ob offen oder geschlossen - in einem Kamin findet eine Verbrennung statt und diese braucht Sauerstoff, um zu funktionieren. Aus diesem Grund ist es insbesondere bei raumluftabhängigen Modellen wichtig, immer genügend Frischluft zuzuführen. Ist es draußen noch nicht so kalt und heizen Sie nur kurz, um es im Wohnraum etwas behaglicher zu haben, genügt das Ankippen eines Fensters. Allerdings sollten Sie sich wegen der Zugluft nicht direkt zwischen Fenster und Feuerstelle setzen. Sind die Temperaturen niedriger, empfiehlt sich alle paar Stunden eine Stoßlüftung. Dabei werden die Fenster für wenige Minuten weit geöffnet, um möglichst viel Sauerstoff in den Wohnraum zu lassen.

Nutzen Sie einen raumluftabhängigen Kamin, während Sie gleichzeitig eine Dunstabzugshaube oder ein über Abluft funktionierendes Lüftungssystem in Betrieb haben, kann eine fehlende Luftzufuhr eine potenzielle Gefahr darstellen. Sowohl Haube als auch Lüftung können in Ihrem Haus einen Unterdruck bewirken, der Rauchgase in den Raum zieht, die anderenfalls über den Schornstein abziehen würden. Sollen Ofen und Dunstabzug bzw. Lüftungssystem parallel laufen, müssen Sie zwingend für ausreichend Luftnachschub sorgen, um Sicherheits- und Gesundheitsrisiken zu vermeiden.

Einfacher gestaltet sich die Luftzufuhr bei raumluftunabhängigen Kaminöfen. Diese sind so ausgelegt, dass sie die benötigte Verbrennungsluft direkt von außen beziehen. Bei abluftbetriebenen Dunstabzugshauben im Haus verlangen viele Schornsteinfeger entweder einen raumluftunabhängig arbeitenden Ofen oder eine automatische Abluftregelung an der Abzugshaube, damit die Sicherheit in vollem Umfang gewährleistet ist.

Was ist der Unterschied zwischen Dauerbetrieb und Dauerbrand?

Ein Dauerbrandofen erfüllt spezielle, in der DIN EN 13240 festgelegte Anforderungen bezüglich der Mindestbrenndauer. Feste mineralische Brennstoffe wie Braun- oder Steinkohle müssen bei Schwachlast wenigstens zwölf Stunden und bei Nennwärmeleistung vier Stunden lang brennen. Bei Holz sind es zehn Stunden unter Schwachlast und 1,5 Stunden unter Nennwärmeleistung. Nur wenn die Glut nach Ablauf der vorgegebenen Mindestbrenndauer noch ausreichend heiß ist, sodass sich das Feuer durch Nachlegen eines Drittels des verbrannten Brennstoffs ohne äußere Unterstützung neu entfachen lässt, darf sich eine Feuerstätte Dauerbrandofen nennen.

Da Holz die Mindestanforderungen nur selten ohne Einbußen hinsichtlich der Leistung und der Umweltfreundlichkeit erfüllt, sind Dauerbrand-Kamine vor allem auf Kohleverbrennung ausgelegt. Deshalb befindet sich in der Brennkammer eine Gussmulde, in die der Brennstoff automatisch nachrutscht, während die Befeuerungsluft von unten zugeführt wird.

Das Gegenstück zum Dauerbrandofen ist der Zeitbrandofen. Hierbei handelt es sich um den typischen Kaminofen zur Holzbefeuerung. Dazu zählen zum einen alle klassischen Modelle, die obige Kriterien nicht erfüllen, und zum anderen Grundöfen, welche die Wärme durch ihre Verkleidung und die Art der Luftführung so gut halten und speichern, dass auf ein langes Gluthalten verzichtet werden kann. Der Unterschied zum Dauerbrandofen besteht darin, dass Sie häufiger Brennmaterial nachlegen müssen, um langfristig eine ununterbrochene Wärmeabgabe zu sichern. Obwohl diese Öfen für den Abbrand von Holz optimiert sind, ist der Betrieb mit Braun- oder Steinkohlebriketts ebenfalls möglich.

Sowohl Dauer- als auch Zeitbrandöfen können einen 24-Stunden-Dauerbetrieb bieten. Das heißt, sie überstehen eine Rund-um-die-Uhr-Befeuerung, ohne dass sich eine Materialermüdung einstellt. Dies trifft allerdings nicht auf offene Kamine zu. Diese dürfen Sie nur gelegentlich und maximal fünf Stunden am Stück nutzen, damit sich kein Nachbar belästigt fühlt.



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Darf ein Kaminofen zum alleinigen Beheizen des Wohnraumes genutzt werden?

Das Heizen mit Holz verspricht Gemütlichkeit und bringt einen Hauch von Romantik in die eigenen vier Wände. Allerdings darf nicht jeder Kamin als Alleinheizung Verwendung finden. Erlaubt wäre das lediglich bei wasserführenden Modellen bis 7,9 kW Gesamtleistung. Das reicht jedoch in aller Regel nicht aus, um ein ganzes Wohnhaus zu erwärmen. Ausnahmen bilden Niedrigenergie- und Passivhäuser, da Sie von Haus aus einen geringeren Heizbedarf haben. Allerdings müsste es sich dann um einen raumluftunabhängigen wasserführenden Kaminofen handeln. Davon gibt es bisher nur sehr wenige Modelle auf dem Markt.

Ein Ofen mit einer Leistung von mehr als 8 kW wird vom Schornsteinfeger als Heizung eingestuft und ist damit messpflichtig. Für gewöhnlich erreicht er aber in diesem Fall die Vorgaben der Immissionsschutzverordnung für Holzheizungen nicht mehr. Die Emissionswerte von Holzvergaserkesseln liegen bei nur circa einem Drittel derer eines Holzofens.

Daher kann ein Kaminofen zwar zum ständigen Beheizen des Wohnraumes genutzt werden, jedoch nur als Ergänzung. Die Anschaffung eines wasserführenden Kaminofens ist dahingehend sinnvoll, da er das vorhandene Heizungssystem entlastet und den Bedarf an fossilen Brennstoffen wie Gas oder Öl verringert.

Kaminofen auch im Sommer anmachen?

Auch wenn die eigentliche Heizperiode nur von Oktober bis April reicht, dürfen Kamine das ganze Jahr über betrieben werden. Sie können das wärmende Feuer also auch an kühlen Sommertagen genießen. Zudem ist es ratsam, den Ofen ab und an zu betreiben, um Feuchtigkeit abzutrocknen, die sich im Schornstein angesammelt hat.

Allerdings sollten Sie bedenken, dass durch die höheren Außentemperaturen der Schornsteinzug geringer ausfällt. Außerdem hat wahrscheinlich so mancher Nachbar auch an weniger schönen Sommertagen die Fenster geöffnet und kriegt den Qualm frei Haus direkt in die Wohnung geliefert. Das wird verständlicherweise als störend empfunden und kann zu schlechter Stimmung in Ihrem Wohnumfeld, schlimmstenfalls sogar zu einer Anzeige führen.

Mit dem Kaminofen im Sommer heizen
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Veröffentlicht am 24.11.2018 13:54 | 0 Kommentare

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