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Heizen ab 2024 - Was gilt und wie Sie die 65 % Vorgabe erreichen

Veröffentlicht am 05.04.2023 12:58 | 0 Kommentare
Abzeichen Zulassungen

Beim Austausch fossiler Heizungen und der Einbindung umweltfreundlicher Energieträger hat sich die Bundesregierung jetzt parteiübergreifend auf einen Entwurf geeinigt. Das überarbeitete Gebäudeenergiegesetz (GEG) gilt seit dem 01. Januar 2024. Was beschlossen wurde und wie sich die neuen Vorgaben umsetzen lassen, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

Inhalt:


Sie erfahren in diesem Artikel:

» Was die Koalition für Heizungen ab 2024 geregelt hat.
» Ob Sie Ihre fossile Heizanlage sofort tauschen müssen.
» Welche Ausnahmeregelungen und Fristen es gibt.
» Mit welchen Heizsystemen Sie die 65 % Vorgabe erreichen.
» Ob Sie noch eine neue Öl- und Gasheizung einbauen können.
» Welche Förderungen bei der Umrüstung möglich sind.

Worauf hat sich die Regierung geeinigt?

Es gibt verschiedene Fristen, bis wann neu eingebaute Heizungen mit mindestens 65 % erneuerbaren Energien laufen müssen. Diese Regelung gilt für den Neubau ebenso wie für bestehende Gebäude. 

  • In Kommunen unter 100.000 Einwohnern muss die Heizung ab dem 01.07.2028 mit mindestens 65 % erneuerbaren Energien laufen.

  • In Kommunen über 100.000 Einwohnern muss die Heizung ab dem 01.07.2026 mit mindestens 65 % erneuerbaren Energien laufen.

Wenn Ihre Kommune schon vorher einen Wärmeplan ausweist, gilt die 65 %-Regel bereits einen Monat nach Ausweisung des Wärmeplans.

Für einen Neubau muss die 65 % Vorgabe der Heizung schon ab dem 01.01.2024 erfüllt sein.

Die ursprünglich geplante Austauschpflicht für funktionierende Öl- und Gasheizungen wurde aufgehoben. Damit können Sie bestehende Anlagen weiterbetreiben und im Falle eines Ausfalls reparieren lassen.

Kann eine defekte Heizung nicht mehr instandgesetzt werden, gibt es mehrjährige Übergangsfristen, damit Sie auf eine Heizung, die die 65 % Vorgabe erfüllt, umsteigen können.

Muss eine bestehende Heizung ab Januar 2024 getauscht werden?

Funktioniert Ihr Heizkessel ordnungsgemäß, dürfen Sie ihn weiter nutzen. Es gibt also keine sofortige Austauschpflicht. Allerdings greift die bereits jetzt bestehende Vorgabe, dass 30 Jahre alte Anlagen außer Betrieb genommen werden müssen.

Austauschpflicht Heizung
Welche Ausnahmen und Übergangsfristen gelten?

Eigentümer, die ihr Ein- oder Zweifamilienhaus vor 2002 bezogen haben, sind von der Austauschpflicht alter Heizungen ausgenommen. Auch Hausbesitzer ab einem Alter von 80 Jahren müssen ihre fossile Brennstoffheizung nicht ersetzen. Aber: Wird das Haus vererbt oder verkauft, tritt das neue Recht mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren in Kraft.

Zusätzlich zu diesen Ausnahmen greifen verschiedene Härtefallregelungen. Diese gelten zum einen für einkommensschwache Haushalte und zum anderen dann, wenn der Gebäudewert und die zu investierende Summen in einem unangemessenen Verhältnis stehen.

Welche Heizsysteme sind möglich?

Der neue Entwurf legt den Fokus nicht länger ausschließlich auf die Wärmepumpenlösung. Stattdessen setzt die Regierung auf Technologieoffenheit. Dadurch darf jeder Eigentümer selbst entscheiden, wie die 65-Prozent-Regelung umgesetzt werden soll. Neben Biomasseanlagen, Solarthermie und Hybridheizungen sind zum Erreichen der Vorgabe auch Fernwärme oder Brennstoffzellen möglich. Gasheizungen bleiben erlaubt, wenn sie mit 65 Prozent grünen Gasen oder als H2-Ready-Heizung laufen.

Biomasseheizung: Effizienz zum Erreichen der 65%-Vorgabe

Biomasseanlagen heizen mit dem regenerativen Rohstoff Holz. Sie arbeiten besonders nachhaltig und kostengünstig. Durch ihre ausgereifte Technik versorgen solche Heizungsanlagen sowohl Neu- als auch Bestandsbauten optimal mit Wärme.

Holzvergaser

Holzvergaserkessel

Holzvergaser gehören zu den Heizkesseln für Festbrennstoffe und werden manuell mit Scheitholz beschickt. Sie funktionieren nach dem Prinzip des Sturzbrandes, was als sehr umweltfreundliche Verbrennungstechnik gilt. Das zeigt sich auch in den hohen Wirkungsgraden von über 90 %.

Holzvergaser »

Pelletheizung

Pelletkessel

Pelletheizungen können ein Gebäude komplett mit Raumwärme und Warmwasser versorgen. Vorteilhaft sind die automatische Zuführung und der gute Wirkungsgrad. Durch eine integrierte Leistungsregelung lassen sich diese Anlagen so anpassen, dass nur der reelle Bedarf abgedeckt und kein unnötiges Brennmaterial verfeuert wird.

Pelletheizungen »

Kombikessel

Kombikessel

Kombikessel vereinen die Technik des Holzvergasers und Pelletkessels in einem System. Hier wechseln Sie bequem zwischen den beiden Brennmaterialen und erzeugen kontinuierlich Wärme für Ihre Zentralheizung. Auch Kombikessel arbeiten sehr wirtschaftlich und erreichen einen Wirkungsgrad von 90 %.

Kombikessel »

Solarthermie: Sonnenenergie für Warmwasser und Heizung

Eine thermische Solaranlage liefert Wärme zum Erhitzen des Brauchwassers und zur Heizungsunterstützung. Je nach Wärmebedarf und Anlagegröße kann Solarthermie etwa ein Drittel der Heizwärme abdecken. Um die entstehende Wärme länger zu speichern, ist ein zusätzlicher Pufferspeicher empfehlenswert.

Da in unseren Breiten eine Solarthermieanlage als alleinige Heizung nicht ausreicht, ist sie vor allem als Teil einer Hybridheizung vorteilhaft. Für diesen Fall sind zusätzliche Heizoptionen, beispielsweise Öl- oder Gasheizungen, eine Wärmepumpe aber auch Biomasseheizungen und wasserführende Öfen notwendig.

Hybridheizung: bestehende Anlagen gezielt ergänzen

Hybridheizungen kombinieren mehrere Heiztechnologien miteinander. Meist deckt dabei der regenerative Energielieferant den Hauptteil der Grundversorgung ab, während das Backup System bei Bedarf zugeschaltet wird. In der Regel sind alle Wärmeerzeuger einer Hybridanlage über einen Pufferspeicher miteinander verbunden. Um die 65 % Vorgabe zu erfüllen, muss die regenerative Wärmelösung vorrangig betrieben werden und die Mindestanforderungen an die Leistung erfüllen.

Fossile Heizung
kombinierbar mit:

+ Biomasseheizung
+ wasserführender Kaminofen
+ wasserführender Pelletofen
+ Solarthermie

Biomasseanlage
kombinierbar mit:

+ wasserführender Kaminofen
+ wasserführender Pelletofen
+ Solarthermie

Wärmepumpe
kombinierbar mit:

+ Biomasseheizung
+ wasserführender Kaminofen
+ wasserführender Pelletofen
+ Solarthermie

Darf ab 2024 noch eine Öl- oder Gasheizung eingebaut werden?

Jein: Bauen Sie ein neues Haus in einem Neubaugebiet, dürfen Sie aufgrund der besseren Plan- und Erschließbarkeit keine fossilen Brennstoffe mehr verwenden. In bestehenden Gebäuden oder Neubauten in Baulücken dürfen Öl- und Gasheizungen noch während der Übergangsfristen bzw. bis zum Vorliegen einer kommunalen Wärmeplanung eingebaut werden.

Neubau im Neubaugebiet Altbau / Neubau in Baulücken
Erlaubt

» Heizungsanlagen mit mindestens 65 % erneuerbaren Energien

» Heizungsanlagen mit mindestens 65 % erneuerbaren Energien

» Ölheizung (nur bis 2026/2028 bzw. bis Einführung eines kommunalen Wärmeplans)

» Gasheizung (nur bis 2026/2028 bzw. bis Einführung eines kommunalen Wärmeplans)

Nicht erlaubt

» Ölheizung

» Gasheizung, die nicht mit 65 % erneuerbaren Energien läuft

» Ölheizung (ab 2026/2028 bzw. ab Einführung eines kommunalen Wärmeplans)

» Gasheizung die nicht mit 65 % erneuerbaren Energien läuft (ab 2026 /2028 bzw. ab Einführung eines kommunalen Wärmeplans)

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Seit dem 29.12.2023 gibt es Fördersätze von bis zu 70 % auf die förderfähigen Ausgaben, wenn Sie Ihre Heizung tauschen. Bei einer Heizungsoptimierung gibt es bis zu 20 % Zuschuss. Sowohl von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als auch vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gibt es verschiedene finanzielle Anreize. Eine genauere Übersicht finden Sie in unserem Blogbeitrag "Heizungstausch aktuell".

Förderung Pelletheizung

Förderung Pelletheizung

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Förderung Solarthermie

Förderung Solaranlagen

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Förderseite

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