Die Feuerstättenschau und der Feuerstättenbescheid

Veröffentlicht am 13.01.2020 08:00 | 2 Kommentare
Ein Schornsteinfeger besichtigt einen Kaminofen
Egal ob Besitzer oder Mieter eines Hauses, man kennt es, das Kärtchen im Briefkasten, auf welchem der Besuch vom Schornsteinfeger angekündigt wird. Mieter einer Wohnung können den Besuch meist nur als Posten in der Aufschlüsselung der Nebenkosten erkennen. Aber was macht der Kaminkehrer bei einer Feuerstättenschau eigentlich? Was prüft er und warum braucht man als Eigentümer oder Bewohner überhaupt einen Feuerstättenbescheid?

Die Feuerstättenschau
Die Feuerstättenschau ist Pflicht, sie muss vom zuständigen Bezirksschornsteinfeger in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Die gesetzlichen Grundlagen sind die jeweiligen Landesbauordnungen, die Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) und das Schornsteinfeger-Handwerksgesetz (SchfgHwG). Damit soll die Betriebs- und Brandsicherheit von Kaminöfen und Heizungsanlagen gewährleistet werden. Es ist Aufgabe des Schornsteinfegers, bei der Überprüfung der Anlage auf Baufehler und typische Faktoren zu achten, die zu einem Verschleiß führen können. Die Sicherheit während des Betriebs wird damit gesteigert, denn Mängel und Schäden können auf diese Weise frühzeitig erkannt und behoben werden. Mögliche Brandursachen lassen sich so weitestgehend vermeiden. Die Feuerstättenschau und der Feuerstättenbescheid sind die Grundlagen für die weitere Arbeit eines Schornsteinfegers. Die Kontrolle auf Abgasentwicklung sowie die Messungen und das Kehren beziehungsweise Reinigen des Schornsteins richten sich zeitlich nach den Vorgaben im Feuerstättenbescheid.
Der Feuerstättenbescheid
Der Feuerstättenbescheid ist ein rechtsverbindliches Dokument, das der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger ausstellt. Der Inhalt benennt, welche Feuerstätten und dazu gehörenden Abgasanlagen in Ihrem Gebäude vorhanden sind. In dem Dokument steht außerdem, welche Arbeit in welchem Zeitraum der Schornsteinfeger an den jeweiligen Feuerstätten durchführen muss. Geregelt sind beispielsweise Messungen, Reinigungsarbeiten und Überprüfungen.
Der Feuerstättenbescheid ist in tabellarischer Form aufgebaut. Er bietet einen guten Überblick über die Arbeiten, die zukünftig anfallen, und über die Termine, an denen die jeweilige Arbeit an den Feuerungsanlagen entsprechend dem Bescheid durchgeführt werden muss. Die Tätigkeiten, die bei der nächsten Feuerstättenschau durchzuführen sind, werden ebenfalls genannt. Darunter fallen Reinigungsarbeiten, Messungen und Überprüfungen. Der Feuerstättenbescheid ist verbindlich, das heißt: Wartungsarbeiten und weitere Aufgaben, die im Bescheid stehen, müssen vorgenommen werden. Sonst kann ein Bußgeld fällig werden, das vom Ordnungsamt verhängt wird.
Dokument vom Schornsteinfeger
Zuständigkeit
Für die Einhaltung der Termine und Kontrollen ist der Eigentümer der Heizungsanlage verantwortlich. Manche Schornsteinfeger verschicken ein Erinnerungsschreiben, aber grundsätzlich sind Sie als Hauseigentümer beziehungsweise Vermieter selbst in der Pflicht und müssen die Durchführung beauftragen. Für die Feuerstättenschau ist der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger zuständig. Die Verordnung schreibt seit 2013 gesetzlich vor, dass der Bezirksschornsteinfeger verantwortlich ist und den Feuerstättenbescheid ausstellt. 
Was wird geprüft?
Der Schornsteinfeger besichtigt alle Feuerungsanlagen, die sich im Gebäude befinden, auch diejenigen, die derzeit nicht betrieben, regelmäßig gereinigt und kontrolliert werden. Er überprüft die Betriebs- und Brandsicherheit. Die Überprüfung umfasst ebenso die Abgasanlagen, Verbindungsstücke und Zuleitungen, die Ofenrohre und Schornsteine. Was für die Sicherheit des Schornsteinfegers notwendig ist, fällt ebenfalls unter die Besichtigungsmaßnahmen, etwa Ausstiegsluken zum Dach, Leitern und Laufbohlen. Bei der Besichtigung notiert der Schornsteinfeger auch das Alter der Heizungsanlage. Staubemissionen werden ebenfalls erfasst.
Die Sichtprüfung umfasst alle Öfen, egal ob KaminofenPelletofen oder Werkstattofen. Überprüft werden die Standsicherheit und der Abstand zu brennbaren Materialien. Ein weiteres Augenmerk liegt auf den Verschleißteilen der Anlage. Die Sauerstoffversorgung muss gewährleistet sein, wenn dafür Raumluft und keine separate Zuleitung verwendet wird, dürfen Fenster und Türen im Raum nicht hermetisch dicht schließen. Der Schornsteinfeger kontrolliert das Brennstofflager, wenn Sie mit Holz heizen. Er überprüft den maximal zulässigen Feuchtegehalt des Brennstoffs. Zur Überprüfung gehört des Weiteren, ob die Auflagen aus der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllt sind. Bei Leitungen und Rohren müssen eventuelle Wärmeverluste durch eine Dämmung begrenzt sein. Wenn eine Umwälzpumpe im Einsatz ist, unterliegt sie zusammen mit der Regeltechnik ebenfalls der Sichtprüfung.
Zeitpunkt und Häufigkeit
Die Feuerstättenschau ist immer dann erforderlich, wenn eine Feuerstätte neu errichtet wurde. Sollten sich Änderungen ergeben, ist die Überprüfung ebenfalls notwendig. Ein möglicher Grund ist zum Beispiel, wenn Sie Umbauten oder Erweiterungen vornehmen. 

Davon unabhängig muss die Feuerstättenschau zweimal innerhalb eines Zeitraums von sieben Jahren durchgeführt werden, der Abstand zwischen den Überprüfungen soll zwei bis maximal drei Jahre betragen. 
Feuerstättenbescheid Kosten
Die Gebühren für die Feuerstättenschau und die Ausstellung des Feuerstättenbescheids sind in der Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) geregelt. Die Grundlage für die Rechnung sind die sogenannten Arbeitswerte. Jedes Bundesland setzt die Gebühr für den Arbeitswert selbstständig fest, dafür fallen zwischen 1,05 Euro und 1,37 Euro inkl. MwSt. an. Für bis zu drei Feuerstätten basiert der Bescheid auf zehn Arbeitswerten. Außerdem fallen Kosten in Höhe von je einem Arbeitswert pro einem Meter Abgasleitung an, die Besichtigung einer Feuerstätte wird mit 3,1 Arbeitswerten berechnet. Für jede weitere Feuerstätte kommen zwei zusätzliche Arbeitswerte dazu. Insgesamt dürfen nicht mehr als 30 Arbeitswerte berechnet werden. Daraus ergibt sich ein Gesamtbetrag, der bei einem Einfamilienhaus unter 100 Euro liegt. Der Eigentümer muss die Rechnung bezahlen. Er kann den Betrag aber auf den Mieter umlegen, wenn er das Haus nicht selbst bewohnt.
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Kommentare

Hallo, wir wollen einen Pelettofen gegen einen Ofen für Scheitholz tauschen. Pelettofen ohne Strom und Lüftung (Pelettzufuhr mittels Schwerkraft). Laut Schornsteinfeger fallen hier Kosten an für Querschnittsberechnung, Berechnung Verbrennungsluftzufuhr und Feuerstättenbeschau. Sind alle Vorgaben wirklich in Hessen vorgeschrieben und für mich kostenpflichtig? Vorab vielen Dank.

Antwort Redaktion ofenseite.com:

Hallo Herr See,

bis auf die Querschnittsberechnung, die im Ermessen des Bezirksschornsteinfegermeisters liegt, sind die Angaben des Schornsteinfegers korrekt. Die von Ihnen aufgeführten Maßnahmen sind in Deutschland vorgeschrieben und müssen selbst gezahlt werden. Die Kosten für den Schronsteinfeger lassen sich allerdings anteilig von der Steuer absetzen, mehr Information dazu finden Sie hier: https://www.ofenseite.com/schornsteinfeger-absetzen

Viele Grüße, Ihr ofenseite-Team

Michael See, 24.08.2020 12:11

Hallo! Ich bitte Sie um die Beantwortung einer Frage zu geforderten Schornsteinkehrung in einem Einfamilienhaus: In der Tabelle des Feuerstättenbescheides sind 4 Zeitraumspalten aufgeführt. Wenn im 1. Zeitraum April/Mai und im 2. Zeitraum Oktober/November aufgeführt sind, heißt das dann, daß die durchzuführende Tätigkeit 2mal im Jahr durchgeführt werden muß? Oder hat der Eigentümer die Wahl zwischen den Terminen, um die geforderten Tätigkeit erledigen zu lassen und den Vollzug zu melden? Vielen Dank! Mit freundlichen Grüßen René Kirsche

Antwort Redaktion ofenseite.com:

Hallo Herr Kirsch,

Sind im Feuerstättenbescheid neben einer Anlage in zwei Spalten Termine aufgeführt, so muss die durchzuführende Tätigkeit jeweils einmal in den angegebenen Zeiträumen stattfinden, was bei Ihnen zweimal pro Jahr bedeutet. 

Mit freundlichen Grüßen Ihr ofenseite-Team

René Kirsche, 06.03.2020 12:21

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