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Anleitung: Schimmelsanierung mit Kalziumsilikatplatten

Veröffentlicht am 01.03.2018 10:02 | 3 Kommentare
Anleitung: Schimmelsanierung mit Kalziumsilikatplatten

Kalziumsilikatplatten sind diffusionsoffen und kapillaraktiv. Aufgrund dieser speziellen Eigenschaften werden sie seit Jahrzehnten zur Innendämmung und Schimmelsanierung von Wänden genutzt. Was genau die Platten so besonders macht, wofür sie sich alles eignen und wie Sie bei der Verlegung von Silikatplatten vorgehen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Inhalt:

Sie erfahren in diesem Artikel:

  • Was Calciumsilikatplatten sind und welche Eigenschaften sie so besonders machen.
  • Wie sich Schimmel bildet und was Sie dagegen tun können.
  • Welche gesundheitlichen Folgen ein Schimmelbefall in Ihrer Wohnung haben kann.
  • Wie Sie Schimmel an der Wand entfernen.
  • Was Sie beim Vorbereiten der Silikatplatten beachten sollten.
  • Wie Sie die Platten an der Wand anbringen.
  • Was sich zum Verkleiden von Kalziumsilikat eignet und was nicht.

Was sind Kalziumsilikatplatten?


Kalziumsilikatplatten werden auch Calziumsilikat-, Silikat-, Klima- oder Promatplatten genannt, meinen aber alle das gleiche Produkt: einen rein mineralischen Baustoff, der sich hauptsächlich aus Siliziumoxid, Kalziumoxid, Wasserglas und Zellulose zusammensetzt. Diese Rohstoffe werden miteinander vermischt und zu Platten geformt. Nach dem Aushärten entsteht ein leichtes, aber äußerst stabiles Baumaterial mit einem hohen Porenanteil.

Wie verhindern Klimaplatten Schimmel?

Die vielen Mikroporen des Materials sorgen dafür, dass Calciumsilikat kapillaraktiv und diffusionsoffen ist. Damit können die Platten Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen, zwischenspeichern und bei Bedarf wieder an den Raum abgeben. Durch diese besonderen Eigenschaften und einen hohen pH-Wert, der das Material alkalisch und damit pilzhemmend macht, beugt es aktiv einer Schimmelbildung vor. Kalziumsilikatplatten eignen sich also nicht erst zur Schimmelsanierung, sondern sind auch die ideale Lösung, um Schimmel vorzubeugen.

Vorteile von Silikatplatten

diffusionsoffen

kapillaraktiv

wärmedämmend

nicht brennbar

resistent gegen
Feuchtigkeit & Fäulnis

alkalisch &
pilzhemmend

form- &
alterungsbeständig

leicht zu
verarbeiten

Wie kommt es zur Bildung von Schimmel?


Schimmelkeime und -sporen finden sich überall in unserer natürlichen Umgebung. Ein konkreter Schimmelbefall entsteht allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Denn der Pilz benötigt Feuchtigkeit, eine gewisse Temperatur und einen geeigneten Nährboden, um sich anzusiedeln und zu wachsen. Die Ursachen für einen Schimmelbefall in der Wohnung sind dabei vielschichtig.

Günstige Voraussetzungen für Schimmel:

» längere Zeit mit mehr als 60 % relativer Luftfeuchtigkeit im Raum
» feuchte Wände, Decken, Fußböden
» Kältebrücken an Hauswänden
» schlecht hinterlüftete Stellen an der Wand
» große Temperaturunterschiede in den Räumen

Gut zu wissen!

Ein idealer Nährboden für Schimmel sind verschiedenste organische Materialien: wie beispielsweise Holz, Papier, Tapeten, Silikon, Teppichböden, Farben, Lacke, Leder sowie Zement und Beton. Befindet sich genügend organisches Material in der Luft können sich Schimmelsporen sogar an Materialien festsetzen und wachsen, die selbst keine Nährstoffe bereitstellen.

Die häufigsten Ursachen für Schimmelentstehung


» Falsches Heiz- und Lüftungsverhalten

Werden Wohnräume nur unzureichend geheizt und selten gelüftet, steigt die Luftfeuchtigkeit durch verschiedene Tätigkeiten wie Duschen, Kochen oder Wäsche trocknen immer weiter an. Trifft die Feuchtigkeit dann auf eine kalte Wand mit organischem Material wie Tapete oder Holzverkleidungen entsteht ein optimaler Nährboden für Schimmelpilze.

» Bauliche Mängel an der Gebäudehülle

Auch Mängel an der Gebäudehülle können einen Schimmelbefall begünstigen. Durch ein defektes Mauerwerk oder undichtes Dach sowie Rissen in der Außenwand kann Feuchtigkeit in das Gebäudeinnere eindringen. Auch eine unsachgemäße Dämmung und so entstehenden Wärmebrücken schaffen optimale Bedingungen für Schimmel.

Welche Auswirkungen hat Schimmel auf die Gesundheit?


Menschen, die regelmäßig Schimmelpilzen in der Wohnung ausgesetzt sind, haben laut WHO ein bis zu 75% erhöhtes gesundheitliches Risiko für Infektionen der Atemwege, allergische Reaktionen und Asthma. Dabei lösen sowohl die Sporen als auch Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze entsprechende Beschwerden aus. Diese können von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich ausfallen.

Die häufigsten körperlichen Symptome:

-> Schnupfen
-> gerötete, brennende Augen
-> Hautausschlag
-> Juckreiz
-> Halsreizungen & Heiserkeit
-> Husten
-> Kopfschmerzen
-> Bauchschmerzen & Übelkeit
-> Müdigkeit & Schlafprobleme
-> Abgeschlagenheit
-> Atemwegsbeschwerden
-> Hautausschlag & Ekzeme

Allergie durch Schimmelbefall - Person putzt sich die Nase

Gut zu wissen!

Schimmel in der Wohnung macht nicht grundsätzlich krank. Ob eine Gesundheitsgefahr besteht, hängt von der Menge an Schimmelsporen und der Schimmelart ab. Um auf Nummer sicherzugehen, sollte Sie Schimmelpilze aber immer entfernen.

Was tun bei Schimmel an der Wand?


Sie haben Schimmel an Ihrer Wand entdeckt? Egal ob der Befall klein- oder großflächig ist: Bevor Sie etwas gegen den Schimmel unternehmen, versuchen Sie die Ursache des Problems herauszufinden. Denn nur wenn diese behoben wird, kann ein erneuter Befall dauerhaft ausgeschlossen werden.

Kleinflächiger Befall

Kommt der Schimmel nicht von Mängeln an der Bausubstanz und betrifft nur einen kleinen Teil der Wand? Dann können Sie die befallene Stelle mit handelsüblichen Mitteln selbst reinigen. Arbeiten Sie bei der Schimmelentfernung nur mit geöffnetem Fenster und geeigneter Schutzkleidung. Gehen Sie dabei wie in Punkt 1 der Schritt für Schritt Anleitung vor.

Großflächiger Befall

Bei einer größeren Fläche ist eine aufwändigere Sanierung ratsam. Den besten Schutz vor einem erneuten Befall bieten hier Kalziumsilikatplatten. Wie genau Sie diese verlegen und was Sie alles für die Sanierung brauchen, erklären wir Ihnen nachfolgend in unserer Schritt für Schritt Anleitung.

Was wird zur Schimmelsanierung mit Silikatplatten benötigt?


Schutzbrille, Atemschutz und Handschuhe
Sprühflasche mit Schimmel-EX-Konzentrat
Lehmkonzentrat
Kalziumsilikatplatten
Kernbohrer oder Stichsäge

diffusionsoffene Farbe
Lehm Oberputz
Farbroller
Lappen
Zahnspachtel

Vorbereitung Promat Kalziumsilikatplatte - Verreiben des Silikatklebers auf Rückseite der Platten

Schritt für Schritt Anleitung


Das Wichtigste vorweg: tragen Sie bitte Schutzkleidung. Denn Schutzbrille, Atemmaske und Handschuhe schützen Sie zuverlässig vor gesundheitsgefährdenden Schimmelsporen.

1. Schritt:
Schimmel entfernen

Beginnen Sie damit Tapeten, alte Wandfarbe sowie losen Putz zu entfernen. Damit beim Arbeiten weniger Schimmelsporen in die Luft geraten, behandeln Sie den betroffenen Bereich im Vorfeld mit Schimmelentferner. Bei einem starken Schimmelbefall sollten Sie den betroffenen Putz großflächig abschlagen.

Sind Sie unsicher, ob Sie dem Schimmel alleine Herr werden, sollten Sie unbedingt einen Fachmann zu Rate ziehen.

2. Schritt:
Unebenheiten ausgleichen

Um einen optimalen Abtransport der Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, dürfen unter den Kalziumsilikatplatten keine Hohlräume bleiben. Der Untergrund, auf dem Sie den Lehmmörtel aufbringen, muss trocken, sauber und möglichst glatt sein. Gleichen Sie größere Unebenheiten mit entsprechendem, diffusionsoffenem Innenputz aus.

3. Schritt:
Klimaplatten vorbereiten

Schneiden Sie die Kalziumsilikatplatten passgenau zu. Glätten Sie die Kanten sorgfältig, damit sich die Platten nahtlos verlegen lassen. Denken Sie auch daran Aussparungen für Steckdosen und Schalter, mithilfe eines Kernbohrers oder einer Stichsäge auszuschneiden. Befeuchten Sie nun die Platten auf der Wandseite mit Wasser.

4. Schritt:
Silikatplatten anbringen

Mischen Sie in der Zwischenzeit den Lehmmörtel zum Kleben der Platten an. Halten Sie sich auch hier an die Angaben des Herstellers. Es ist wichtig, einen difussionsoffenen Kleber oder Mörtel zu verwenden, der die Poren der Klimaplatten nicht verschließt. Ziehen Sie nun den Mörtel mit einem Zahnspachtel auf.

Die Kalziumsilikatplatten müssen vollflächig verklebt werden. Achten Sie beim Verlegen der Platten darauf, Stöße und Fugen möglichst klein zu halten. Sie sollten nicht breiter als 2 mm sein. Mörtel, der aus den Fugen quillt, entfernen Sie möglichst sofort mit einem feuchten Lappen. Verfugen Sie Ecken, Fensterlaibungen und Deckenanschlüssen besonders sorgfältig.

5. Schritt:
Kalziumsilikatplatten verkleiden

Zu guter Letzt können Sie die Kalziumsilikatplatten so verkleiden, wie es Ihnen gefällt. Dabei sollten Sie nur darauf achten, dass der Mörtel gut durchgetrocknet ist und alle Materialien auch wirklich luftdurchlässig sind. Das bedeutet Latexfarbe, Vinyltapete, Fliesen oder gipshaltige Putze kommen für die Wandgestaltung nicht in Frage. Sie würden die Poren der Klimaplatten verschließen und den schimmelhemmenden Effekt aufheben.

Mit einer diffusionsoffenen Farbe (z.B. Kalk-, Silikat- oder Kreidefarbe) oder einem atmungsaktiven Mineralputz bleibt die hohe Kapillarität der Platten erhalten.

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Kommentare

Kann man die Platten an die Betondecke kleben um Schimmel in Zukunft zu vermeiden, der entsteht weil Waschmaschine und Trockner beim Betrieb warme feucht Luft abgeben die auf der kalten Decke zu Schimmel führt. Bis zu welcher Plattendicke ist kleben an der Decke möglich? Kann man die Platten danach mit Raufaser wieder übertapezieren?

Antwort Redaktion ofenseite.com:

Hallo Andreas,

die Dicke der Platten ist eigentlich egal, wenn Sie einen gute Kleber verwenden. Tapezieren sollten Sie die Platten aber nicht. Kalk- oder Gipsputz ist hier besser geeignet.

Viele Grüße, Ihr ofenseite-Team 

Andreas Riedel, 08.07.2022 14:11

Guten Abend, wir möchten Promasil 950 KS als Schutz vor brennbaren Bauteilen hinter einem Werkstattofen einsetzen. Bei Anbringen mit Kleber K84 sollte ja F90 erfüllt sein. Reicht hier die Plattendicke 40 mm aus? Oder sind gem. DIN 18160 mindestens 50 mm erforderlich? Gibt es dazu irgendwo Informationen? Danke und viele Grüße aus Köln

Antwort Redaktion ofenseite.com:

Guten Tag Christian,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Vorschrift sind, laut unseres Ofenbaumeisters, 60 mm Dämmstoffstärke bei nicht brennbaren Anbauwänden. Bei brennbarem Material brauchen Sie 10 cm Vormauerung plus 60 mm Promasil. 

Viele Grüße, Ihr ofenseite-Team

Christian Kuck, 24.02.2022 19:02

Was kann man auf eine geleimte Wandfarbe streichen, damit die Kalziumsilikatplatten halten.

Antwort Redaktion ofenseite.com:

Wir raten davon ab, die Farbe zu überstreichen. Besser ist es, die Leimfarbe abzutragen und eine Grundierung aufzubringen.

Viele Grüße Ihr ofenseite-Team

Schwede Reinhard, 10.12.2018 09:23
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